Going Nowhere

City-Service-Col

„Gut erkennbar in den Stadtfarben schwarz-gelb gekleidet“ seien sie, trompetet die Website des Trägers Sozialwerk Aachener Christen e.V. selbst noch, als das Ende der Welt, wie wir sie kennen, längst beschlossen ist. Dass man hierorts beim Schwarz-Gelb-Attribut seit jeher viel eher an feierselige Alemannia-Anhänger als an die Service-eigene schwarze Multifunktionsjoppe mit verspielter gelber Rückenbeflockung denkt, ist nur ein Treppenwitz der Geschichte des Auf- und nun wohl Ablebens eines Projekts namens City-Service.

2007 mit einigem städtischen Bohei samt Presse-Juchee (Zitat: City-Service Aachen will die Stadt „aufpolieren“) gestartet, läßt sich, spätestens im vorerst finalen Monat März 2011, die unmittelbare Aufgabe der meist in Zweiergruppen flanierenden Kontakter nur erahnen.

„Information der Stadt über Verunreinigungen, Zerstörungen und bei Gefahr“, benennt o.g. Website eine der zentralen Aufgaben. „Information der Gäste Aachens über Sehenswürdigkeiten, Verkehrsmittel, Einkaufszonen etc.“ oder „Hilfe für Ortsunkundige, Senioren und Menschen mit Behinderungen“ lauten andere. Allein, wie passt dazu das selbsterlebte Szenario anno 2010, als ein fröhlich schmauchendes Grüppchen Service´ler den offenkundig ortsunkundigen Rathaus-Touristen in unmittelbarer Nähe so was von gekonnt ignorierte, als hätte er ihnen zuvor herzhaft auf die Stadtfarben-Jacke gerotzt.

Dass die kommenden Ex-Mitarbeiter des City-Service, überwiegend zuvor lange Zeit arbeitslos, nicht um ihre „Jobs“ kämpfen würden, kann man ihnen indes nicht vorwerfen.
Noch im Februar, kurz nach Erscheinen eines Hilfe schreienden Berichts in der Tagespresse, erhoben sich Mitarbeiter und Sympathisanten auf der Sitzung der Brander Bezirksvertretung zu einem flammenden Appell für den Erhalt der 36 Ein-Euro-Jobs. Sichtlich bewegt, wenn auch wortkarg, ganz dem scheinbaren Street-Habitus entsprechend, übergaben die beiden örtlichen Streifengänger eine Unterschriftenliste, in denen sie um Engagement für die Weiterführung ihrer Maßnahme baten, die ihnen bislang immerhin so etwas wie eine Aufgabe geboten hatte, statt sich beim Hartzen das Gemüt schwer werden zu lassen.

Reduziert aufs Maximum: Nach dem drohenden Rückzug der bejackten Service-Flotte bleibt das Patrouillier-Feld zukünftig wohl wieder allein dem Ordnungsamt überlassen. Immerhin haben deren Protagonisten mittlerweile nahezu jegliche Schluffigkeit abgelegt und verbreiten aktuell vielmehr einen nur in Maßen Vertrauen erweckenden Türsteher-Charme. Summa Solarium drehen die mit „besonderen Kompetenzen“ ausgestatteten Men In Blue dann womöglich einfach drei Extra-Runden.
Rettungsschirm, irgendjemand? Aufgrund der anfallenden „Overhead-Kosten“ durch Einsparungen bei der Jobagentur und der damit drohenden Einstampfung des Projektes City-Service sei für den möglichen Erhalt finanzielles Engagement der ortsansässigen Wirtschaft nötig. So der einhellige Tenor von Ratsvertretern, Wirtschaftsförderung, Ordnungsamt, und das nicht nur an jenem Abend in Brand. Dass der bisherige Projektträger, das Sozialwerk Aachener Christen e.V., die Chose womöglich allein am Leben hält, ist laut Geschäftsführerin Dr. Simone Pfeiffer-Bohnenkamp undenkbar. Immerhin sei ein Antrag auf Weiterförderung gestellt. Dass sich die, bisher kostengünstigen wie – zweifelsohne in Teilen – herzblutenden Arbeiter für die „gute Visitenkarte der Stadt“ nicht gerade vor ihr in den Staub werfen, ist nur verständlich.

Sah man die City-Service-Mitarbeiter so um ihre „Jobs“ kratzen und beißen, gerät beinahe die wahrgenommene Lustlosigkeit in den Hintergrund, mit der sich die Kleintrupps durch die Innenstadt bewegten. Service, zur Sonne. Dem „Arbeitsmarkt“ entgegen, verspricht noch Ende März die Website des Sozialwerk Aachener Christen. Guys, we wish you well.
Alex Barth

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10 Kommentare

  1. Catweasel sagt:

    Meiner Meinung nach, ist der City Service in den Aussengebieten durchaus von nutzen. Die Situationen dort schreien geradezu nach einer Anstellung auf dem 2. Arbeitsmarkt. In der Innenstadt sehe Ich jedoch die Anwesenheit bedenklicher. Meiner Auffassung nach sollte der City Service die patrouillen auf die Spielplätze und bei Bedarf, während bestimmter Events einhalten. Dafür scheinen Mir die zuständingen Ordnungsbehörden doch eher in der Pficht zu sein, der Sie nur bedingt nachkommen. Nichts desto Trotz, vertrete Ich die Meinung, dass die Mitarbeiter des City Service in den Aussengebieten durchgehend einen herrvorragenden Job leisten. Kleinere Fehler, wie die, den Fahrradfahrer anszusprechen, gleiten für Mich ab in die Bedeutungslosigkeit. Es handelt sich hier um ein durchgehend gut geschultes Personal, mit Einweisungen und Lehrgängen um Ihre Aufgaben korrekt zu bewältigen. Wir reden hier immerhin von Arbeitern, die nur eine geringe ca. 100 € Aufstockung durch das Sozialwerk erhalten und dennoch Täglich Ihren Dienst verrichten, bei Regen, Sonnenschein und irgendwelchen Pressemitteilungen, die wohl anscheinend nicht richtig
    eroiert worden sind. Scheint Mir immer noch besser zu sein, als Zuhause rumzusitzen und zu warten, das dass Geld vom Amt eingeht.
    Ob es alles seiner Richtigkeit hat mit dem veranschlagtem Geldpool vom Sozialwerk kann Ich persönlich nicht sagen, ist auch nicht Meine Sache.
    Aber, wenn die Leute arbeiten wollen, warum lässt man Sie dann nicht ???

    MFG

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  2. Karolinger sagt:

    Hallo Udo,

    kannst Du Dir sparen. Das Thema ist eh bald ganz erledigt.

    http://www.bafoeg-aktuell.de/News/2011/04/18/1-euro-jobs-der-einstieg-in-den-ausstieg/

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  3. Udo Koschmieder sagt:

    Lieber Herr Baksay,

    Zum Thema “Wildwuchs” würde unsere Situation wohl gut passen denn plötzlich sind da ein paar 1Euro Jobber welche sich für den Erhalt ihrer Beschäftigung einsetzen nur damit sie etwas sinnvolles tun können.

    Aber noch etwas zu unserer Arbeitsweise, wir arbeiten mit dem “JedermannRecht”, wir haben keinerlei Befugnis Knölchen zu schreiben oder Verweise auszusprechen. Wir weisen unsere Mitmenschen auf ihr Fehlverhalten hin und legen großen Wert darauf sie nicht in irgendeiner Form zu bestrafen. Wir möchten auch kein Polizeiersatz sein sondern Ansprechpartner für Bürger und Touristen.
    Klar, wir sind nicht perfekt in unserem Tun aber wir arbeiten daran besser zu werden. Von den anderen zahlreichen Aufgaben kann ich ihnen gerne bei einem Gespräch berichten.

    Ich werde mal nachfragen ob irgend jemand Einwände gegen eine Dokumentation hat. Kann ich mir zwar nicht vorstellen aber ich muß erst das OK vom Sozialwerk Aachener Christen einholen.

    Mit Dank für ihr Interesse

    Udo Koschmieder

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  4. Gabor Baksay sagt:

    Lieber Herr Koschmieder,

    danke für Ihr – wenn auch nicht ausschließlich begeistertes – Feedback!

    Wie ich finde, hatte Alex Barths unterhaltsam geschriebener “Schwanengesang” auf den City Service niemals Anspruch auf Objektivität erhoben, sondern diente der teils wehmütigen, teils humorigen Würdigung einer lieb gewonnenen und naürlich auch nicht unfehlbaren Institution (was ich in meiner kleinen, ebenfalls nicht objektiven, Illustration zu unterstreichen versucht hate.I

    Ja, als Herausgeber fände ich es eine hervorragende Idee, Sie in Brand einmal bei der Arbeit zu begleiten und Herrn Barths Artikel dabei um wertvolle O-Töne zu bereichern. Außerdem passt eine weitere Aufarbeitung des Themas gut zu unserem nächsten Heftschwerpunkt: “Wildwuchs”, so wie es auch zu dem der aktuellen Ausgabe: “Kontrolle” gepasst hat.
    Vielleicht wäre ja auch eine kleine filmische Dokumentation möglich? Diese würde ich sehr gerne übernehmen.
    Mit freundlichen Grüßen,
    Gabor Baksay
    P.S.
    Meine einzige Begegnung mit dem City Service hatte ich übrigens in dessen Eigenschaft als Ordnungkraft, als ich mit ca. 1,5 km/h auf dem Fahrrad die Adalbertstraße entlang “fuhr”. Man ermahnte mich, nicht unfreundlich aber bestimmt, bitte abzusteigen. Bin ich Ihren Kollegen ob dieser recht großzügigen Auslegung ihrer Befugnisse deshalb gram? Nicht die Bohne! Ich hoffe, Sie uns auch nicht .-)

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  5. Udo Koschmieder sagt:

    Lieber Alex Barth

    Ich bin einer der sichtlich bewegten aber wortkargen Mitarbeiter des City Service in Brand. Es hätte mich gefreut wenn Sie mal mit uns Kontakt aufgenommen hätten bevor Sie ihren Artikel verfasst haben. Wie ich das so verstehe haben Sie wenig Einblick in das was wir tun und wohl noch weniger in unsere Situation als Hartzer. Kommen Sie doch einfach mal in Brand vorbei und begleiten Sie uns. Für meinen Teil sehe ich mit diesem Job und dem Kampf für seine Fortsetzung auch eine Möglichkeit aufzuzeigen das unsere Gesellschaft einen zweiten Arbeitsmarkt benötigt. Ich als kleine Leuchte habe mit dieser Aktion etwas bewegt auch wenn ich mich nicht gut artikulieren kann. Auch Sie haben über uns geschrieben und mit den nötigen Informationen wäre ihr Bericht vielleicht Positiver ausgefallen. Also danke für den Bericht und bitte melden Sie sich mal.

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  6. Guy Incognito sagt:

    Wie nett. Da Sie mich ja offenbar zu (er)kennen scheinen, sprechen Sie mich doch einfach bei einem Spiel der Volleyballerinnen an. Zum Beispiel am Mittwochabend? Dann antworte ich auf Ihr Gezeter persönlich. Die Anonymität des Internet ist doch ein Unding, oder nicht?

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  7. Karolinger sagt:

    Selbst kann der Herr Barth sich aber zu seinem Mist nicht äußern, was?!
    Egal – habe ja bei den Volleyballerinnen von Alemannia Aachen gesehen, was er wirklich sehr gut kann….

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  8. Gabor Baksay sagt:

    Vor 70 Jahren bewiesen die Untentreter aber nicht besonders viel Humor. Schon gar nicht die kunst des munteren Aufschlagsspiels eines Herrn Barth. Damals herrschte mehr ein engherzig, strenger Ton, den Sie hier recht geschickt wieder aufleben lassen, Herr Karolinger.

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  9. Karolinger sagt:

    Bravo, Herr Barth! Immer schön artig nach unten treten und den allgemeinen Unmut an Minderheiten auslassen. Leute wie Sie haben vor gut 70 Jahren in Deutschland schon einmal Menschen in der Presse runtergemacht und mit dafür gesorgt, dass diese zunächst stigmatisiert und später massenweise ermordet wurden, weil diese Volksverhetzung so vorzüglich fruchtete und der Hass keine Grenzen mehr kannte. Ich kann nur hoffen, dass die Betroffenen sich wehren und Anzeige gegen Sie erstatten.

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  1. Bergfreunde

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