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	<title>MOVIEbeta &#187; Theater</title>
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	<description>Der Film zur Stadt</description>
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		<title>Hier kommen wir nicht lebendig raus &#8211; Versuch einer Heldin</title>
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		<pubDate>Mon, 30 Jan 2012 12:45:01 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Gabor Baksay</dc:creator>
				<category><![CDATA[Theater]]></category>
		<category><![CDATA[Mörgens]]></category>
		<category><![CDATA[Nadine Kiesewalter]]></category>

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			</a>
		</div>
<p><em>Spielt alles an die Wand, was sich bewegt:  Nadine Kiesewalter als Ira </p>
<p></em>Der Zorn Gottes ist ca. 20 Jahre alt, heißt Ira (lateinisch: Zorn), wohnt noch bei Mama in einem Plattenbau, den sie zärtlich „Hassbeton“ zu nennen beliebt. Ihren galoppierenden Furor ergießt sie, weil sie nicht so genau weiß, wogegen er sich eigentlich richtet, über alles und jedes. Dabei benötigt sie maximal drei Sätze, um sich mindestens dreihundert mal zu widersprechen. Auch die schillernden Wandlungsphasen ihres im Pendelflug befindlichen Selbst changieren in beängstigendem Tempo: Von Schauspielerin, Okö-Aktivistin und Comedy-Tuse über existenzialistisch angehauchter Lyrikerin, geht es zuletzt &#8211; oh Graus! &#8211; zu Hausfrau und Mutter mit dickedummen Stammhalter! Aber Moment, war dieses Ende am Ende vielleicht nur ein fataler Error? War Iras Existenzversion 3.5 vielleicht gar nicht die „wirkliche“? Im Schnelldurchlauf liefert sie noch ein alternatives Ende ab: Den romantischen Bühnentod an „einer Überdosis Aufregung“.<br />
Wie man sieht, ist „Realität“ nicht Iras Stärke. Stattdessen ist sie gefangen im globalen ReinRaus-Spiel ihrer Generation: Rein in die Cyberchose, raus ins Realitätsdebakel. Dass man davon ganz Meschugge wird, überspielt sie lässig mit der urbanen Coolness einer alles-sowieso-<br />
peilenden MacBook-Dompteuse. Die akute Kurzschlussgefahr in den Echokammern ihres Kommunikationsflusses wird mit inflationär eingestreuten „Ey“s, „Nee“s, „Ne“s geerdet – also dem<br />
obligatorischen Sprachmodus, einer von der Rasanz ihrer Gescheitheit hyperventillierenden Typo3-Aktivistin.<br />
Als Theaterrezensent hat man sich um leidenschaftslose Objektivität zu bemühen. Trotz eisener Willensanspannung war es aber unabwendbar, dem enervierenden Liebreiz dieser grandiosen<br />
Zicke rettungslos zu verfallen. Fieberhaft stellte sich die Frage, wo denn jetzt mitten in der Nacht fünfzig rote Rosen zu bekommen wären oder besser noch, wo in diesem gottverlassenen Jakobsviertel noch ein Standesamt geöffnet hat, um dieses zauberische Wesen stante pede zu ehelichen.<br />
So atemberaubend wie die Rolle, ist auch die Schauspielerin. Nadine Kiesewalter spielt bravourös alles an die Wand was sich bewegte. Die ebenfalls beachtlich agierenden Mitakteure nehmen dies lächelnd zur Kenntnis und machen galant den Weg frei für die furiose Achterbahnfahrt der<br />
Kollegin Kiesewalter. Bei Naturgewalten wie diesen pfeilschnellen Doppelpässen zwischen Figur zu Darstellerin hilft nun mal nur Suizid, Heirat oder bedingungslose Kapitulation.<br />
Nun ja, worum es in dem Stück denn nun eigentlich geht? Also, der Autor Martin Heckmanns variiert sein philosophisches&#8230; ach was! Es geht um Ira. Es geht um Kiesewalter. Okay?! Wer politisch korrekte Theaterrezensionen will, soll TV-Spielfilm lesen.                         	                <em>Gabor Baksay</em></p>
<p><strong>Theater Aachen &#8211; Mörgens<br />
Stück von Martin Heckmanns | Inszenierung Roland Hüve † Bühne Davy van Gerven<br />
Termine im Februar: 04. | 09. | 22. 2., jeweils 20:00 Uhr</strong></p>
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		<title>Antreten zum Totlachen: Tartuffe und die Quadratur des Komischen</title>
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		<pubDate>Thu, 26 Jan 2012 10:10:47 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Gabor Baksay</dc:creator>
				<category><![CDATA[Home]]></category>
		<category><![CDATA[Theater]]></category>
		<category><![CDATA[Bettina Scheuritzel]]></category>
		<category><![CDATA[Emilia Rosa de Fries]]></category>
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		<category><![CDATA[Molière]]></category>
		<category><![CDATA[pictures]]></category>
		<category><![CDATA[Tartuffe]]></category>
		<category><![CDATA[Theater Aachen]]></category>

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		<description><![CDATA[Ensemble zum knutschen: Karsten Meyer/Cléante, Robert Seiler/Damis, Joey Zimmermann/Madame Pernelle, Bettina Scheuritzel/Orgon, Julia Brettschneider/Elmire, Emilia Rosa de Fries/Mariane, Felix Strüven/Dorine Tartuffe ist Theaterkunst im Aggregatzustand höchster Raffinesse. Diese, wie aus dem Ärmel geschüttelte Leichtigkeit beherrscht außer Shakespeare nur Molière. Dessen ...]]></description>
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			</a>
		</div>
<p></a><strong>Ensemble zum knutschen:  </strong><strong><em>Karsten Meyer</em></strong>/Cléante, <strong><em>Robert Seiler</em></strong>/Damis, <strong><em>Joey Zimmermann</em></strong>/Madame Pernelle, <strong><em>Bettina Scheuritzel</em></strong>/Orgon, <strong><em>Julia Brettschneider</em></strong>/Elmire, <strong>E<em>milia Rosa de Fries</em></strong>/Mariane, <strong><em>Felix Strüven</em></strong>/Dorine</p>
<blockquote><p>Tartuffe ist Theaterkunst im Aggregatzustand höchster Raffinesse. Diese, wie aus dem Ärmel geschüttelte Leichtigkeit beherrscht außer Shakespeare nur Molière. Dessen messerscharfer Blick auf die blamablen Zustände im Frankreich des 17. Jahrhunderts ist nicht nur eine grandios angezettelte Anstiftung zur Selbsterkenntnis, sondern vor allem – auch und gerade in dieser quicklebendigen Inszenierung – sehr, sehr lustig.
</p></blockquote>
<p>Ein dümmeres und verkommeneres Pack als die herrschende Klasse im  Frankreich des 17. Jahrhunderts, hat die Welt vorher und nachher nicht gesehen. Die Dekadenz entlud sich bis zur Demenz und wurde nur von einer anderen Bevölkerungsgruppe des Ancien Régime erreicht: dem Klerus. Dieser war zwar ebenso verkommen, aber in der Regel nicht ganz so dumm wie die herrschende Aristokratie. Ein Vorteil, den professionelle Heuchler wie Molières Titelheld Tartuffe, geschickt zu nutzen wussten, um für sich ein Maximum an Profit herauszuholen.<br />
Man ahnt bereits, unter kompetenten, fürsorglichen Händen ließe sich aus dieser Konstellation erstklassiger Stoff zum Totlachen modellieren. </p>
<p>Jean-Baptiste Poquelin alias Molière besaß diese Kompetenz und modellierte mit dem Scharfsinn Voltaires und der Volksnähe Rousseaus eines der komischsten und berühmtesten Dramen der Neuzeit. Es empfahl sich allerdings, dabei Vorsicht walten zu lassen. Denn die real existierenden Tartuffes würden ihre öffentliche Demaskierung nicht amüsiert zur Kenntnis nehmen; mussten also ein wenig verklausuliert in die Pfanne gehauen werden. (In der Tat forderte der Theologe Pierre Roullé nach der Premiere allen Ernstes Molièrs Verbrennung.) Deshalb ist Tartuffe den allerniedrigsten Rängen der klerikalen Hackordnung zugeordnet. Tatsächlich bleibt im Dunkeln, ob er überhaupt ein ordinierter Priester ist, oder nur ein ruchloser Hochstapler. Auch war Molière umsichtig genug, Tartuffes Opfer, den vor Dummheit implodierenden Orgon, nicht als Aristokraten zu besetzen, sondern als Mitglied des, zwar zu Geld gekommenen, aber damals politisch noch machtlosen Großbürgertums. Aus gutem Grund beinhaltet Tartuffe, eine lange, umständliche Hymne an den König, von alleruntertänigsten Langweiligkeit, die heutzutage aber meistens gestrichen wird.</p>
<p>Philipp Manuel Rothkopf spielt Tartuffe mit falschem Schlangenlächeln wie einen Stasibeamten, dem zwar das Charisma des gesellschaftlich glanzvollen Emporkömmlings fehlt, der dafür aber über einen von lebenslanger Mißgunst genährten Vorrat an hinterfotziger Gemeinheit verfügt. Sein Opfer, der reiche Bürger Orgon, den er durch Hinterlist nicht nur um Haus und Hof, sondern auch um die schöne Gemahlin zu bringen versucht, ist, wie viele andere Partien in diesem Stück auch, eine absolute Paraderolle. Was Bettina Scheuritzel (in einer Hosenrolle) aus diesem vor Dummheit aus allen Nähten platzenden Jahrhunderttrottel macht, ist nicht nur unbedingt sehenswert, sondern atemberaubend. Ihre Interpretation von Orgons verblendetem Verbohrtsein und dessen felsenfestem Vertrauen in die Lauterkeit der Schlange Tartuffe ist so liebenswert unschuldig und so kindlich rein dargestellt, dass man versucht ist, ihr vor lauter Aufregung wie im Kasperletheater zuzurufen: „Vorsicht, hinter dir: Tartuffe!!!“ </p>
<p>Eine ähnlich gelungener Fall ist die Darstellung der Figur, der ohne Zweifel Molières größte Sympathie gehört: Das bis an die Zähne mit Sarkasmus und Esprit bewaffnete Dienstmädchen Dorine. Obwohl alle Beteiligten, bis auf den Herrn des Hauses, die Heimtücke Tartuffes mühelos durchschauen, durchschaut Dorine ihn am witzigsten. Im Kampf um diese glanzvolle Rolle soll es hinter den Theaterkulissen der Welt schon Tote gegeben haben. In Aachen siegreich blieb Felix Strüven, der Dorine mit verrucht tiefergelegter  Reibeisenstimme und militärisch präzisem Hüftschwung eine Extraportion extraordinärer Rotlichterotik verpasst. Aufmerksame Leser haben vermutlich schon bemerkt, dass es diese Inszenierung mit der korrekten Geschlechterzuordnung nicht wirklich genau nimmt. Ich darf gestehen, dass ich mindestens 15 Minuten lang auf dieses Spiel hereingefallen bin &#8211; Deppen gab es schließlich nicht nur im 17. Jahrhundert – und diese mir unbekannte Ensembledame mit ihrem Racke-Rauchzart-Timbre durchaus attraktiv fand. Erst angesichts des dauererigierten Oberschenkels, den Herr Strüven mit Fleiß und Standhaftigkeit aufrecht zu erhalten verstand, wurde auch mir endlich klar. „Das ist ja ein Kerl!“<br />

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<br />
Emilia Rosa de Fries als larifari lispelnde Zuckerpuppe des Hauses, Mariane, dokumentiert mit beeindruckender Körperbeherrschung, wes Geistes Kind sie ist. Während sich bei Orgon das Ausmaß der Idiotie auf die Schrumpfung seines Großhirns auf ca. Walnussgröße beschränkt, scheint im Fall seiner Tochter zusätzlich noch das für die Muskelkoordination zuständige Stammhirn betroffen zu sein. Dessen Zusammenbrüche gestaltet Frau de Fries mittels artistischer Glanzleistungen (fallen Sie mal wie ein Sack Mehl vom Tisch) zum Running Gag des Abends.</p>
<p>Es ließen sich noch zahlreiche andere Höchstleistungen dieses Ensembles bejubeln, wir müssen aber endlich zu den umunschränkten Heroinen des Abends kommen: dem Geschwisterpaar Christina und Franziska Rast.<br />
Christinas Regiearbeit ist blitzschnell, derb und begiebt  sich, mit ausgewählt schmutzigen Theatertricks, von verschleppten Reimen und genüsslich über das erwartete Zeitmaß ausgespielten Witzen, oft genug an den Rand der Geschmacklosigkeit. Da diese Manierismen aber mehr oder weniger vollständig dem Fundus der Commedia dell‘arte entnommen sind und Frau Rast deren komisches Repertoire aus dem Effeff beherrscht, ist auch die plakativste Komik über allen Zweifel erhaben. Der Seiltanz zwischen Millowitsch-Theater und Hochkultur gelingt ihr genussreich, trickreich, souverän. Immer stimmt die Dosierung exakt: Ein Tick mehr und es wäre nicht mehr komisch, sondern platt gewesen. </p>
<p>Die Bühne und Kostüme von Franziska Rast stehen der Inszenierungskunst ihrer Schwester in keiner Weise nach. Die Ausstattung ist, genau wie die Regie, ebenfalls an den Grenzbereichen von Karikatur und Wahrheit genau dort angesiedelt, wo es konzeptuell interessant wird. Spielerisch, wie selbstverständlich, entfaltet sich eine Welt schriller Schönheit und punktgenauer Personencharakterisierung.  </p>
<p>Die Schwestern auf der Premierenfeier zu sehen wie sie Hand in Hand verlegen aufgekratzt mit Schulmädchenkichern die Huldigungen des Intendanten entgegennahmen, war ein Bild für die Götter. Augenreibend begann man zu phantasieren, ob sie nicht ebenfalls eine Erfindung Molières sein könnten, diese zwei innig verbundenen Theaterdäumelinchen mit dem herzerwärmenden Pippi-Langstrumpf-Lächeln. Dieses Stück würde ich nur allzu liebend gern sehen.<br />
<em>Gabor Baksay</em><br />
<em>Fotos: Carl Brunn</p>
<p></em><strong>Theater Aachen &#8211; Bühne<br />
Inszenierung Christina Rast | Ausstattung Franziska Rast<br />
Die nächsten Termine: 28.1. | 04.2. | 22.2. | 24.2. | 26. 2., jeweils 19:30 Uhr<br />
jeweils 19:30 Uhr</strong></p>
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		<title>Tagestipp: Konfetti – Ein Zauberabend für politisch Verwirrte</title>
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		<pubDate>Wed, 25 Jan 2012 12:21:24 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Gabor Baksay</dc:creator>
				<category><![CDATA[Theater]]></category>
		<category><![CDATA[Theater Aachen]]></category>

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			</a>
		</div>
<p>Was hat eine Zaubershow mit Politik gemeinsam? Wie zaubert man schlechte Nachrichten weg? Und warum kommt ein Konfetto nie allein? – Mehr als uns lieb ist. Gar nicht, man lenkt nur von ihnen ab. Und: Weil man mit einem einzelnen Konfetto keinen BH voll bekommt. Martin Kloepfers Inszenierung von Ingrid Lausunds Konfetti ist eine abwechslungsreiche kleine Revue, aus der die Zuschauer eine Menge mitnehmen. Vor allem Fragen. Wieso identifiziert man die verbalen Taschenspielertricks eines Zauberkünstlers sofort als solche, während man dieselben Formulierungen aus dem Mund eines Politikers klaglos als Wahlprogrammpunkte akzeptiert? Lassen wir uns wirklich so bereitwillig durch flaches Unterhaltungsprogramm von existentiellen Problemen ablenken? Und warum können wir in einer unangenehmen Situation nicht einfach das gleiche machen wie der überzeugend angstgestörte Bernd (Thomas Hamm): Einfach in der Sofaritze verschwinden? Auch wenn viel gezaubert wird an diesem Abend, Antworten holen auch Sarah (Elke Borkenstein), Anne (Julia Malik), Bjarne (Rainer Krause), Bernd, Martin (Oleg Zhukov) und der stumme Diener (Mazdak Tavassoli) nicht mal so eben aus dem Hut. Dafür greifen die sechs erfolgreich in die Trickkiste. Und spätestens, wenn Julia Malik ihren grandiosen Monolog hält und Elke Borkenstein mit einer wunderbaren Erzählstimme überrascht, sieht man gerne darüber weg, dass die Inszenierung zwar amüsant, aber nicht immer kurzweilig ist.<br />
<em>Frau Suk</em><br />
<em>Foto: Ludwig Koerfer<br />
</em><br />
<strong>Inszenierung: Martin Kloepfer<br />
Zauber-Coach: Jörg Tullius<br />
Mit Elke Borkenstein, Julia Malik, Thomas Hamm, Rainer Krause, Oleg Zhukov und Mazdak Tavassoli</p>
<p>Mi. 25.1. 20:00 Uhr Termine im Februar: 1./4./22./24.2., jeweils 20:00 Uhr</strong></p>
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		<title>Das Fest</title>
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		<pubDate>Fri, 18 Nov 2011 10:37:51 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Carla Asten</dc:creator>
				<category><![CDATA[Home]]></category>
		<category><![CDATA[Theater]]></category>
		<category><![CDATA[Ostviertel]]></category>
		<category><![CDATA[pictures]]></category>

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			</a>
		</div>
<p>Eine Familienfeier anlässlich des 60. Geburtstages von Hotelier Helge Klingenfeldt-Hansen ist überschattet von der Trauer über den Selbstmord der ältesten Tochter. Im Verlauf des Abends und des darauffolgenden Morgens wird die Familie mit dem sexuellen Missbrauch des Vaters an den Zwillingen Linda und Christian konfrontiert. Christian, der angesichts des Freitods seiner Schwester nicht länger über die sexuellen Übergriffe schweigen kann, wird aufgrund dieser Offenbarung als &#8220;schon immer labil&#8221; und nicht ernst zu nehmend deklariert. Der unerwartet aufgetauchte  Abschiedsbrief seiner Schwester räumt alle Zweifel aus. Das nur durch Lüge und Verdrängung aufrecht erhaltene Familiengefüge zerbricht vollends und die charakterlichen Auffälligkeiten der übrigen Geschwister ergeben plötzlich einen Sinn.</p>
<p>Sexueller Missbrauch, Selbstmord, Gewalttätigkeit und Ehebruch, dazu der Geist einer Toten, der wie ein wildgewordener Derwisch über die Bühne fegt und ekstatisch zuckt – nicht unbedingt das erste was man mit einer Theatergruppe einer katholischen Kirchengemeinde assoziieren würde. Aber das Ganze findet auch nicht in Aachen statt, sondern an einem ungewöhnlichen Ort zwischen Berlin und New York: Im Aachener Ostviertel. Man mag jetzt einwenden, dass das ja  auch in Aachen sei. Aber mal ganz ehrlich: Bis die Aachener das Ostviertel entdeckt haben, ist das schon längst nach Berlin oder New York abgehauen, und wenn wir da als Touristen hinfahren sind wir noch zu blöd, es zu erkennen. Macht auch nichts.<br />
Das chaOSTheater, das vor einigen Jahren der OT der Kirchen Fronleichnam und St. Josef entsprungen ist, versteht sich schliesslich als Stadtteiltheater und freut sich insbesondere über Besucher aus dem Ostviertel, alle anderen sind natürlich auch herzlich willkommen (wenn sie ihre Angst vor der Aachener Bronx überwinden können – kleiner Scherz).</p>
<p>Was die Truppe ambitionierter Gemeindemitglieder und professioneller Künstler mit &#8220;Das Fest&#8221; auf die Beine gestellt hat, ist ungewöhnlich und mutig – und facettenreich wie das ganze Viertel. Der iranische Regisseur Reza Jafari beweist ein ungeheures Geschick Darsteller unterschiedlichster Begabung und ohne schauspielerische Ausbildung so zu besetzen und zu führen, dass die ein oder andere Ungelenkheit im Spiel letztlich nebensächlich bleibt und der Dramaturgie des Stückes keinerlei Abbruch tut. Im Gegenteil: Das &#8220;Unperfekte&#8221; des Spiels bewirkt sogar, dass eine Wahrhaftigkeit zu spüren ist, wie man sie bei manchen Profis unter all ihrer &#8220;Kunst&#8221; oftmals vermisst. Ein besonderer Geniestreich sind die Auftritte von Mina Khani, die mit ungeheurer Präsenz als Lindas Geist durch die Szene tanzt und dem Zuschauer den Schmerz und das Leid das ihr widerfahren ist, unablässig vor Augen führt.</p>
<p>Als Resümee lässt sich sagen: Super Inszenierung, großartiges Bühnenbild und ein lohnenswertes Theatererlebnis, das einen nachdenklich, aber überhaupt nicht unglücklich nach Hause gehen lässt. Chapeau!</p>
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		<title>Mit dem ÖPNV auf Gewaltherrschaftenweltreise: Tomorrow Maybe. Über-Leben in Diktaturen.</title>
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		<pubDate>Mon, 03 Oct 2011 10:21:07 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Carla Asten</dc:creator>
				<category><![CDATA[Home]]></category>
		<category><![CDATA[Theater]]></category>
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		<category><![CDATA[pictures]]></category>
		<category><![CDATA[Theater Aachen]]></category>

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		<description><![CDATA[Mit dem ÖPNV auf Gewaltherrschaftenweltreise: Tomorrow Maybe. Über-Leben in Diktaturen. „Wir bitten Sie, aus organisatorischen Gründen vor der Vorstellung Ihren Personalausweis abzugeben.“ Unangenehm, aber dem Thema gemäß; mit verschiedenen Mitteln wird in Tomorrow Maybe den Grundkonstanten von Gewaltherrschaft, der Bedrohung ...]]></description>
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			</a>
		</div>
<p>Mit dem ÖPNV auf Gewaltherrschaftenweltreise:<br />
Tomorrow Maybe. Über-Leben in Diktaturen.</p>
<p>„Wir bitten Sie, aus organisatorischen Gründen vor der Vorstellung Ihren Personalausweis abzugeben.“ Unangenehm, aber dem Thema gemäß; mit verschiedenen Mitteln wird in <em>Tomorrow Maybe</em> den Grundkonstanten von Gewaltherrschaft, der Bedrohung von Leib, Leben, Integrität und Identität, nachgespürt.</p>
<p>Die Reise ins Herz der Finsternis beginnt in der Kammer mit einer Auseinandersetzung mit der argentinischen Militäridiktatur. Der junge deutsche Weltverbesserer Leon (Markus Weickert) will sich auf Biegen und Brechen am Guerillakampf beteiligen. Doch er muss feststellen, dass das Biegen und Brechen“in der Militärdiktatur bereits von anderen besorgt wird. In einer von Denunziation und Misstrauen geprägten Atmosphäre (wirkungsvoll markiert durch ab und an unter den Bühnenvorhängen hervorschauende Füße) wird Vertrauen zum unkalkulierbaren Risiko, die Akteure können nur verlieren. Die Stringenz der im besten Sinne konventionellen Inszenierung (eine Rolle pro Schauspieler, keine Experimente) ist ausgesprochen wohltuend. Markus Weickert, Katja Zinsmeier als Widerstandskämpferin Lena, Thorsten Borm als selbstgefälliger Diplomat und der fabelhafte Andreas Herrmann als Journalist und Menschenrechtler Fernando Meier zeigen ein eindringliches, gekonntes Spiel. Einzig Robert Seiler als Lockspitzel Carlos wirkt uninspiriert.</p>
<p>Der Rest des Drei-Dikaturen-Erlebnistheaters wird in der Gallwitz-Kaserne gezeigt (Sonderfahrt mit dem ÖPNV inklusive). Noch während man sich orientiert, nimmt einen das Geschehen in der Halle in den Bann. Videointerviews mit Überlebenden der Roten-Khmer-Herrschaft vermitteln, dass in der Diktatur das Glück des einzelnen zur Marginalie wird, bis zur Unlesbarkeit geschwärzt von Angst und Ohnmacht. Dem entgegen macht der Tanz der Kambodschaner Phon Sopheap und Noun Sovitou in der Hallenmitte die Überwindung der Repression sinnfällig. Lautlos und lauthals, ernst und schalkhaft erzählen die Körper der Tänzer die Geschichte und verschweigen sie zugleich. Wunderschön und bitter.</p>
<p>Ohne Zwischenstopp wird der Zuschauer ins Apartheidsregime transferiert, genauer in die Gefängniszelle, in der Nelson Mandela sein Tagebuch schreibt. Hier wird sowohl mit erhobener Faust als auch mit erhobenem Zeigefinger operiert (die plakative Chordeklamation ist ein bisschen zu viel des Gutmenschelns). Im Zentrum steht eine riesige mehrteilige Puppenskulptur, die – gelungenes Symbol für den gemeinsamen Kampf gegen Unrecht – im Ganzen nur durch die Zusammenarbeit aller Akteure bewegt werden kann. Ergreifend das Puppenspiel von Julia Brettschneider und Wiebke Alphei. Obwohl die Puppenspielerinnen immer sichtbar bleiben, scheint ihre kleine nylonbestrumpfte Puppe ein Eigenleben zu entwickeln. Magisch.</p>
<p><em>Frau Suk</em></p>
<p>Tomorrow Maybe. Über-Leben in Diktaturen.<br />
Kammer – Theater Aachen<br />
Kooperation mit dem Goethe-Institut Südostasien und Amrita Performing Arts, Phnom Penh.</p>
<p>Text: Jürgen Berger<br />
Regie: Ludger Engels<br />
Bühne und Kostüm: Christin Vahl<br />
Licht: Pascal Moonen<br />
Puppenskulptur: Christin Vahn, Julia Brettschneider, Wiebke Alphei, Claus Röttgerding<br />
Video: Jürgen Berger, Ludger Engels<br />
Videoschnitt: Jörg Müller<br />
Choreographie: Ludger Engels<br />
Dramaturgie: Inge Zeppenfeld</p>
<p>Weitere Termine: 04./06./14./15. Oktober</p>
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		<title>Michael Kohlhaas</title>
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		<pubDate>Sun, 02 Oct 2011 09:55:41 +0000</pubDate>
		<dc:creator>FrauSuk</dc:creator>
				<category><![CDATA[Theater]]></category>
		<category><![CDATA[Bühne]]></category>
		<category><![CDATA[pictures]]></category>
		<category><![CDATA[Theater Aachen]]></category>

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<p><span style="color: #000000;"><span style="font-family: Helvetica,sans-serif;"><span style="font-size: small;">Michael Kohlhaas: eine Mischung aus dem Hauptmann von Köpenick und Charles Bronson als rotsichtigem Paul Kersey, auf der Jagd nach dem Passierschein A38. Schwer vorzustellen? Macht nichts, die bereits vorgefertigte Vorstellung im Mörgens ist so plastisch, dass man sie nur noch mitzunehmen braucht. Die kleine, stringente Inszenierung illustriert das zeitlose Grundmotiv der Kleist’schen Novelle; den fast aussichtslosen Versuch des Bürgers, persönliche ethische Grundsätze gegen staatliche Willkür, Vetternwirtschaft und wachsende Ohnmachtsgefühle zu verteidigen. Gut dosierte komische Gesten verhindern dabei, dass das Publikum in Fatalismus versumpft. Regisseurin Nora Mansmann hätte ruhig noch stärker auf Spielvermögen und (Körper)Sprache ihrer drei Akteure vertrauen und weitere Erzählpassagen auflösen können, nichts desto trotz ist ihr die Parforce durch die von Franziska Steiof komprimierte Vorlage geglückt. In der unaufdringlichen Minimalkulisse von Laura Wallrafen liefert Roman Konieczny in der Titelrolle eine Paradeleistung in Sachen Körperspannung ab. Seine zuweilen etwas dumpfe Stimme wird durch die sparsame aber ausdrucksvolle Mimik mehr als kompensiert;  Kohlhaasens Dilemma zwischen Recht und Gerechtigkeit ist ihm ins Gesicht geschrieben. Joey Zimmermann als wendeberockter Junker/Knecht/Kurfürst steht Konieczy in Sachen Haltung kaum nach und legt noch eine gute Portion Souveränität oben drauf. Emilia Rosa de Fries kann zwar die Spannung nicht immer ganz halten, aber ohne ihre latent nachgiebige, zahme, aber nachdrückliche Art wäre der Abschied von Kohlhaas und Lisbeth sicher nicht zur ungekünsteltsten Liebesszene auf der Mörgensbühne seit langem geraten. </span></span></span></p>
<p><span style="color: #c80d3d;"><span style="font-family: Helvetica,sans-serif;"><span style="font-size: small;"><em>Frau Suk</em></span></span></span></p>
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		<title>„Ich möchte einfach hier sitzen&#8230;“</title>
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		<pubDate>Sat, 01 Oct 2011 09:28:22 +0000</pubDate>
		<dc:creator>FrauSuk</dc:creator>
				<category><![CDATA[Home]]></category>
		<category><![CDATA[Theater]]></category>
		<category><![CDATA[Bühne]]></category>
		<category><![CDATA[pictures]]></category>
		<category><![CDATA[Theater K]]></category>

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		<description><![CDATA[Edward Albees Zoogeschichte im Theater K. Zwei Männer und eine Bank, auf der nur Platz für einen ist – auch wenn theoretisch beide drauf passen. Soweit die Kurzfassung von Edward Albees absurdem Erstling, dem allein schon aufgrund des statischen Settings ein ...]]></description>
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<p>Edward Albees <em>Zoogeschichte</em> im Theater K.</p>
<p>Zwei Männer und eine Bank, auf der nur Platz für einen ist – auch wenn theoretisch beide drauf passen. Soweit die Kurzfassung von Edward Albees absurdem Erstling, dem allein schon aufgrund des statischen Settings ein gewisser Hang zur Trägheit schwer auszutreiben ist. Von Unbeweglichkeit kann aber in der aktuellen Inszenierung im Theater K. keine Rede sein. Unter Ismael Hawramys Regie wirkt das Stück frisch, kurzweilig und lebendig. Selbst die berühmte Bank, eigentlich Inbegriff von Stillstand und fixer Perspektive, stellt sich als äußerst bewegliches Requisit heraus.</p>
<p>Kulisse und Ausstattung sind ökonomisch, aber zugleich konsistent und detailverliebt eingerichtet. Das Bühnenkarree aus Kunstrasen wird eingefasst von zerschossenen Mülleimern (wir befinden uns schließlich im New Yorker <em>Central Park</em>) und rostigen <em>North</em>-Schildern, die im Verlauf der Handlung immer wieder umplatziert werden und so ihrer nominellen Bestimmung Hohn sprechen. Die Figuren; das sind Verleger Peter (Stephan Wurfbaum), der eigentlich nur da sitzen und lesen will, und Loser Jerry (Christian Cadenbach), der dem irritierten Peter scheinbar zufällig über den Weg (und die Leber) läuft und jenem zuerst ein tierisch intimes Gespräch und letztlich sich selbst aufzwingt.</p>
<p>An der präzisen Interaktion ist unschwer zu erkennen, dass Wurfbaum und Cadenbach ein eingespieltes Team sind. Ihre Zusammenarbeit wird durch Hawramys geschickten Umgang mit der Vorlage bestens ergänzt. Ganz im Sinne Albees (mit dem Textüberhang für Jerry war der Autor so unzufrieden, dass er der <em>Zoogeschichte</em> 2004 <em>Homelife</em> voranstellte) bricht Hawramy lange Monologe zu dialogischen Szenen auf und macht aus dem „Eineinhalbpersonenstück“ eine <em>ménage à deux et demi</em>; der Einsatz eines Ringrichters als Randfigur (wortwörtlich) bringt Tempo in die Sache. Alle Freiräume, die Albee zwischen den Zeilen lässt, werden mit Mimik und Körpersprache gefüllt, über Timing und Artikulation kitzeln Schauspieler und Regisseur die humoristischen Zwischentöne der Vorlage heraus. Eine durchweg gut durchdachte und gut gemachte Umsetzung der nicht ganz pflegeleichten Vorlage.</p>
<p><em>Frau Suk</em></p>
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		<title>Viel Lärm um nichts</title>
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		<pubDate>Tue, 01 Mar 2011 11:13:49 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Silvia Szymanski</dc:creator>
				<category><![CDATA[Szymanski sagt]]></category>
		<category><![CDATA[Theater]]></category>
		<category><![CDATA[aachen]]></category>
		<category><![CDATA[pictures]]></category>

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		<description><![CDATA[Viel Lärm um Nichts ist eigentlich ja alles, wenn man so will. Shakespeare wusste das natürlich – und auch, dass man Tragödien oder Komödien daraus machen kann. „Oh, was sich die Menschen nicht alles getrauen! Was sie alles tun! Was ...]]></description>
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			</a>
		</div>
<blockquote><p>Viel Lärm um Nichts ist eigentlich ja alles, wenn man so will. Shakespeare wusste das natürlich – und auch, dass man Tragödien oder Komödien daraus machen kann.</p></blockquote>
<div><strong><span style="font-weight: normal">„Oh, was sich die Menschen nicht alles getrauen! Was sie alles tun! Was sie täglich tun, und wissen nicht, was sie tun!“ stöhnt Claudio, so sehr zu Recht. Zum Glück befindet er sich in einer Komödie, sonst wäre es nicht auszuhalten. Er und Benedikt haben mit Don Pedro im sizilianischen Messina erfolgreich Krieg gegen Pedros Stiefbruder Don Juan geführt. Jetzt aber müssen sie sich dem Hickhack auf dem Schulhof des privaten Lebens widmen, der zweifelhaften Liebe und den lieben-bösen Mitmenschen. Benedikt ist genau deshalb ja eigentlich ein eingefleischter Single und findet in der schnippischen Beatrice ein Pendant zum Zanken. In ihren berühmten, schlagfertigen, scharfzüngigen Wortgefechten sagen sie der Welt und einander, dass sie den anderen ätzend finden. Was die Umgebung natürlich extra reizt, sie miteinander zu verkuppeln. Claudio und Hero hingegen sind schnell verlobt. Doch ihre romantischen, wenn auch z.T. finanzverliebten, Gefühle geraten durch eine Intrige völlig aus dem Gleichgewicht. Don Juan gaukelt Claudio nämlich aus Ärger über die militärische Niederlage vor, Hero sei ihm untreu. Daraufhin lässt Claudio Hero einfach vor dem Traualtar stehen – eine knallige Geste, die bis heute Filmkomödien inspiriert. Vor dem Happy End mit fröhlicher, dem Ohnsorgtheater Pate stehender Doppelhochzeit stehen aber noch mehr trickreiche Verwicklungen, inszenierte Indiskretionen, vorgetäuschter Tod, angedachter Mord… Doppelbödig und ambivalent ist Shakespeares lustvoller Blick hinter die Kulissen einer Upper Class-Gesellschaft, die sich auf der Oberfläche gewitzter Rhetorik und Ironie über ihre Abgründe rettet. Spätestens seit 1599 macht diese Überlebenstechnik den verehrten britischen Humor aus. Die gegenseitigen Täuschungen und permanenten Maskeraden dürften zudem teilnahmsvollen Beobachtern der Windsor Family nicht fremd sein. In der Verfilmung von 1993 spielten Kenneth Branagh, Emma Thompson, Keanu Reeves, Denzel Washington &#8211; Leute, um deren Mietzahlungen und Renten man sich zum Glück mal keine Sorgen machen muss. Während Aachen leider immer noch versucht, seinen Schauspielern den Boden unter den Füßen wegzuziehen. „Jeder kann den Schmerz bemeistern, nur der nicht, der ihn fühlt“ ist eben auch einer der ewigen Sätze aus „Viel Lärm um nichts“. Inszeniert wird die Produktion von den Schwestern Christina Rast (Regie) und Franziska Rast (Kostüme und Bühne). Sie haben seit 2003 in mehr als 20 Produktionen zusammengearbeitet und sind im deutschsprachigen Raum bekannt für ihren slapstickhaft schnellen, trashigen, aber auch fein gearbeiteten Stil – passt bestens. </span></p>
<p><span style="font-weight: normal"><em>(szy)</em></span></p>
<p><em><span style="font-weight: normal">„Viel Lärm um nichts“ </span></em></p>
<p><em><span style="font-weight: normal">Komödie von William Shakespeare, Inszenierung Christina Rast In einer Übersetzung von Frank Günther</span></em></p>
<p><em><span style="font-weight: normal">Bühne und Kostüm Franziska Rast, Musik Malcolm Kemp</span></em></p>
<p><em><span style="font-weight: normal">Dramaturgie Inge Zeppenfeld, Katharina Rahn</span></em></p>
<p><em><span style="font-weight: normal">Mit Karsten Meyer, Thomas Hamm, Markus Weickert, Joey Zimmermann, Torsten Borm, Rainer Krause, Julia Brettschneider,Bettina Scheuritzel,nelke Borkenstein, Elisabeth Ebeling, Felix Strüven,</span></em></p>
<p><em><span style="font-weight: normal">Termine: 22., 27. und 29. Januar, 8., 11. und 19. Februar, 25. 0ärz, 6. und 30. April</span></em></p>
<p><em><span style="font-weight: normal">Theater Aachen &#8211; Bühne</span></em></p>
<p></strong></p>
</div>
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		<title>Tagestipp: Die Wildente</title>
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		<pubDate>Thu, 31 Mar 2011 06:23:20 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Gabor Baksay</dc:creator>
				<category><![CDATA[Theater]]></category>
		<category><![CDATA[Die Wildente]]></category>
		<category><![CDATA[Grenzlandtheater]]></category>
		<category><![CDATA[Ibsen]]></category>

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		<description><![CDATA[Die Ekdahls allein zu Haus: &#8220;&#8230;und nach dem Essen erzähle ich dir eine schöne Lebenslüge.&#8221; Die Wildente ist Ibsens brillantestes Stück Menschenkenntnis. Der mit Frau und Kind gemütlich in seinen Lebenslügen eingerichtete Nobody Hjalmar Ekdahl wird von seinem überspannten Freund, ...]]></description>
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			</a>
		</div>
<p><em><strong>Die Ekdahls allein zu Haus: &#8220;&#8230;und nach dem Essen erzähle ich dir eine schöne Lebenslüge.&#8221;</strong></em></p>
<p>Die Wildente ist Ibsens brillantestes Stück Menschenkenntnis. Der mit Frau und Kind gemütlich in seinen Lebenslügen<br />
eingerichtete Nobody Hjalmar Ekdahl wird von seinem überspannten Freund, Gregers Werle, über die mangelnde Mustergültigkeit seiner Existenz belehrt. Dies endet selbstverständlich &#8211; wir sind schließlich bei Ibsen &#8211; in einer Katastrophe. Das Stück lebt eigentlich davon, dass man Gregers, der ja prinzipiell ganz Richtiges redet und will, anfangs sympathisch findet, um ihn erst als er mit seinem Tugendwahn hjalmars Familie zu Grun- de richtet, als Lebensvergifter zu erkennen. In dieser Inszenierung ist aber bereits nach 20 Minu- ten klar, dass Gregers ein gefährlicher Irrer ist. Auch hjalmar quillt die vertrottelte verpeiltheit schon physiognomisch aus allen Poren. Das Bauernopfer des Stücks, die vierzehnjährige Tochter hjalmars ist für die Rolle zu alt besetzt (der vater zu jung) und so klingen ihre verzückten „vati! vati“-Rufe nach Brechtschem verfremdungseffekt. verfremdung ist dann auch der Schlüssel zum verständnis dieses unterhaltsamen Abends. Wir sehen „Die Wildente“ als volksnahen Schwank mit deftigem Overacting, der die raffinierte Dramaturgie Ibsens laut hinaus posaunt und damit überraschend witzig wird. Die stummfilmreifen „Ahs“ und „Ohs“ der Schauspieler demonstrieren, welches Tohuwabohu ausbricht, sobald man dem Theater seine Lebenslüge nimmt. helge Schnei- der könnte das nicht besser machen. <em>(gb)</em></p>
<p>Foto: Kerstin Brandt-Heinrichs<br />
<strong>Die Wildente<br />
Schauspiel von Henrik Ibsen<br />
Grenzlandtheater Aachen<br />
Täglich bis 19.4.</strong></p>
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		<title>Harper Regan</title>
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		<pubDate>Tue, 29 Mar 2011 14:50:28 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Musikredakteur</dc:creator>
				<category><![CDATA[Theater]]></category>
		<category><![CDATA[aachen]]></category>
		<category><![CDATA[Bühne]]></category>
		<category><![CDATA[Elisabeth Ebeling]]></category>

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		<description><![CDATA[Eine Art „Road Movie“ quer durch die britische Provinz hatte die Vorab-Lektüre meinem Hirn suggeriert, ein – zumindest weitgehend – eindringliches Stück über das Ausbrechen, Angst und Lust haben, Zweifeln und Heimkehren ist es schließlich geworden. Präzise Charakterzeichnungen, den Schauspielern ...]]></description>
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			</a>
		</div>
<p>Eine Art „Road Movie“ quer durch die britische Provinz hatte die Vorab-Lektüre meinem Hirn suggeriert, ein – zumindest weitgehend – eindringliches Stück über das Ausbrechen, Angst und Lust haben, Zweifeln und Heimkehren ist es schließlich geworden. Präzise Charakterzeichnungen, den Schauspielern Raum zur Entfaltung geben – diese Vorhaben gelingen Ronny Jakubaschks Inszenierung nicht immer.<br />
Harper Regan, in der Londoner Peripherie vor sich hin „seiende“ Ehefrau und Mutter mit normal-kaputter Familie, will ihren todkranken Vater ein letztes Mal sehen. Trotz Kündigungsdrohung ihres leidlich bezahlten Jobs und ohne Nachricht an die Familie macht sie sich dennoch auf den nicht eben geradlinigen Weg. Skurrile Begegnungen sollen ihn pflastern.<br />
Bettina Scheuritzel als Harper Regan wirkt irgendwie gehetzt. Aber nicht immer so, wie man es sich für die Rolle wünschen würde. Definitiv hat sie aber ihre Momente, etwa in der Szene mit dem aufdringlichen Dandy in der Kneipe, herrlich schmierig dargestellt von Philipp Manuel Rothkopf. Vor allem aber im Konflikt mit ihrer entfremdeten Mutter, von Elisabeth Ebeling zum Aufregen gut gemimt, wirkt die Figur Harper am intensivsten.<br />
Bereits auf der Vorab-Pressekonferenz hatte Jakubaschk die Schwierigkeit thematisiert, dass „die diversen Nebendarsteller, zum Teil nur für einen Auftritt, quasi von Null auf Hundert agieren müssen“. So wirken einige Akteure mitunter wenig auf die Szene geimpft, irgendwie „geh raus und mach“. Das kommt dann leider unrund herüber, etwa wenn Felix Strüwer den jugendlichen Schwermütigen geben soll, von dem sich Harper angezogen fühlt, dessen Aura aber eher hölzern wirkt. Im besten Fall war das so gewollt, unterstelle ich wohlwollend. Dann will ich nichts gesagt haben. Andere lösen ihre(n) Kurzauftritt(e) offensichtlich überzeugender: Joey Zimmermann gibt den verkniffenen Ehemann routiniert. Highlight meines Abends: Die Eröffnungsszene mit Harper Regans Chef, dem der notorische Rainer Krause den goldenen Unsympathen-Orden umhängt.<br />
<em>(ab)</em></p>
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