Kunst, die Kunst sein will und wie Kunst aussieht: Reinhard Doubravas ArchivkästenFoto: Galerie von der MilweReinhard Doubrawa versucht in seiner Kunst alles so verzweifelt richtig zu machen, dass am Ende alles falsch ist. Seine Fotos hängt er z.B. nicht an die Wand, sondern zeigt sie, auf gar nicht mal uninteressante Weise, in selbst gebauten Archivkästen, dass man ein bisschen das Gefühl hat, sich durch Stasi-Akten durchzuarbeiten. Eigentlich OK, deshalb 4 Punkte. Die Fotos selbst sind als Schnappschussartige Dokumente eines poetisch aufgeladenen Alltags nicht wirklich schlecht. Zwar hat man derartiges bereits 10.000mal gesehen, aber das Richtige zu variieren ist nicht unbedingt verwerflich, also 2,5 Punkte. Die mittelgroße Wandarbeit, einer aus Kunstrasen geschnittenen Umriss”zeichnung” eines Revolvers ist auch nicht ganz falsch = 2 Punkte. usw., usw. Bei einem Punktestand von 8,5 – bei möglichen 10 – sollte sich ein Künstler eigentlich entspannt zurück lehnen können. Leider müssen wir aber wegen der krampfhafter Bemühung auf Biegen und Brechen Kunst produzieren zu müssen 5 Punkte abziehen. Weiß Herr Doubrawa denn nicht, dass Kunst, wenn sie 10 Meter gegen den Wind nach Kunst riecht, automatisch keine Kunst mehr ist? Anscheinend nicht, sonst würde er einen gestelzten, durch sämtliche Ebenen verzweifelter Prätention gezwirbelten Satz, wie den Folgenden, niemals in seinem Galerie-Infotext zulassen:”Doubrava lässt uns an seinem exemplarischen Verankern einer Welt-Wirklichkeit in dem Augenblick teilnehmen, in dem wir selbst wahrnehmend erkennen, dass wir eine Situation ähnlich erlebt haben oder erleben würden.”Doebrawa verankert also “Welt-Wirklichkeit”. OK, aber “verankert” er nicht viel mehr seine eitle Absicht, durch selbstreferentielle Wortkonstrukte, mehr zu scheinen als zu sein? Dient das affektierte Räsonieren nicht in erster Linie der Einschüchterung, um den Betrachter davon ab zu lenken, dass ihm die “Welt-Wirklichkeit irgendwie bekannt vorkommt, also eigentlich nicht so ganz doll Kunst ist, weil diese einem ja eher unbekannt vorkommen sollte, wenn sie den Kunstbonus beansprucht?Es gibt noch viele derartige Sätze im Infotext [http://www.galerie-von-der-milwe.de] und das ist in sofern nicht weiter schlimm, weil es in der Kunst oft vorkommt, das wenig mit großer Umständlichkeit zu mehr zusammengeredet wird, als es ist. Wir erwähnen dass, nur, weil die Galerie von der Milwe eine hervorragende ist, die jeden Support verdient, den wir ihr durch unsere aus dem Moment geborene Polemik keineswegs entziehen wollen.Deshalb schreibt auch Elke Kania, die das ganze Doubrawa-Thema völlig anders sieht, als ich, die Kritik im Juli-Movie.(Gabor Baksay)Reinhard Doubrawa – “Übereinstimmung mit der VorstellungGalerie von der Milwe // Kleinkölnstraße 1 // D-52070 AachenGeöffnet:Dienstag – Freitag 14 – 19 Uhr // Samstags 11 – 16 UhrTel. +49 241 – 264 07
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