Auf der Suche nach den verlorenen Stars I

 

 

 

 

Cornelia Dörr als Alice in der EishalleMen in eMotion productions zeigt: Alice lebt hier nicht mehr – Nach Motiven des gleichnamigen Films von Martin ScorseseJahrelang betörte sie die Aachener Massen mit ihrer charmanten Interpretation so unterschiedlicher Rollen wie „Maja. Du kannst mich auch Biene nennen“ – oder war es umgekehrt? – bis Johanna von Orleans. Die Zeiten sind leider Gottes vorbei. Pech für Aachen, eine Chance für den Rest der Welt. Zum Beispiel für Hildesheim. Hier wurde Cornelia Dörr in der Eishalle der Universität als Alice gesichtet, nicht im Wunderland, sondern lebt hier nicht mehr. Regisseur Gero Vierhuff hat Martin Scorseses Durchbruchdrama von 1974 als das „große Märchen der Selbstfindung“ auf die Bühne verpflanzt. alice074.jpgAlice, unterwürfige Ehefrau und Mutter, die für ihren Ehemann das Singen aufgab, entdeckt, nachdem eben dieser das Zeitliche gesegnet hat, ihre Freiheit und ihre Träume wieder. Mit ihrem seltsam präpubertären Sohn Tommy macht sie sich auf den Weg nach Monterey, den Ort ihrer Kindheit und Glücksverheißung. Um diese Odyssee zu finanzieren, nimmt Alice Jobs als Kellnerin an, wenn man sie fürs Singen nicht bezahlen will, und macht die Bekanntschaft von einigen Freaks und einer neuen Liebe. Die Dialoge und Szenen sind größtenteils mehr als originalgetreu übernommen. Nur wurde der lakonisch-melancholische Witz des Films meist in absurde Komik übersetzt. Die Kulisse besteht, abgesehen von einem romantisch-naturalistischen Highwaygemälde, nur aus Coca-Cola-Kästen, die je nach Bedarf in Sekundenschnelle in Autos, Betten oder Theken verwandelt werden. alice169.jpgAuch die vielen Rollenwechsel reizen hier zu Lachsalven in Szenen, die im Film eher mit Staunen oder Schmunzeln goutiert wurden. So glänzen Stephanie Petrowitz als Alices beste Freundin, burschikose Kellnerin und Tommys frühreife Freundin (im Film noch die zwölfjährige Jodie Foster); Arnd Heuwinkel in den Rollen diverser Gäste und als Donald und David, dem alten und dem neuen Mann, sowie Oliver Dressel als mehrere abseitige Barkeeper. Zudem potenziert Christopher Weiss als Tommy noch die im Film angelegte ADS-Symptomatik. Manchmal möchte man schon etwas Ritalin auf die Bühne werfen. Scorsese würde sein Werk wahrscheinlich nicht gleich wieder erkennen, aber Werktreue, wenn es das gibt, ist ja nur was für Langweiler. Gero Vierhuff und seine Schauspieler haben „Alice doesn’t live here anymore“ nicht einfach adaptiert, sondern aus Film Theater gemacht, und wo gehobelt wird, fallen Späne. Aber es entsteht eben auch eine neue sehenswerte Form, und Cornelia Dörr ist eine würdige Nachfolgerin der großen Mütterdarstellerin Ellen Burstyn.Paul Riemann

Regie und musikalische Gestaltung: Gero Vierhuff

Ausstattung: Sabine Kohlstedt

Dramaturgie/Produktion: Jochen Kiefer, Skadi Konietzka

 

Nächste Termine:

LOT Braunschweig: 29./30.01.´08

Junges Theater Göttingen: 31.01.´08

Theaterwerkstatt Hannover: 01./02.02.´08

Kulturhaus 73 Hamburg 18./19./20.02.´08

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