Außergewöhnliche Ausstellungen erfordern außergewöhnliche Werbemaßnahmen: Die Pressekonferenz von RECORD AGAIN & VIDEOARCHIV dem Publikum ans Herz gelegt im Geiste antiker Altmeister der Videokunst unter besonderer Berücksichtigung Richard Serras
Für Wilhemlm Schürmann sind sie “sensationell”, für uns einfach ein guter Grund, ins Ludwig Forum einzuziehen. Die Doppelausstellung, RECORD AIGAIN und VIDEO ARCHIV lässt sich jedenfalls nicht mit einem einzigen Besuch abhaken. Dazu ist das Angebot an Höhepunkten aus 40 Jahren Videokunst zu überwältigend. Man ist ja erst mal zur Genüge damit beschäftigt, all die obskuren Retro-Fernseher, die das Karlsruher “Labor für antiquierte Videosysteme” zusammengetragen hat, aufs innigste zu Wertschätzen. Die skulpturale Kraft und der betörende Retro-Charme dieser Abspielgeräte aus der heroischen Zeit des Röhrenfernsehens befördern die liebenswerte These, dass früher alles besser war. Aber nicht nur die Geräte waren schöner, auch die Filme waren besser. Deren mittels Dramaturgieverweigerung gedehnte Zeit lässt das hektische Gezappel der bewegten Bilder unserer Postgemütlichen Epoche marktschreierisch und ein wenig unfein erscheinen. Die hier versammelten Videopioniere hatten jedenfalls noch ein aristokratisches Verhältnis zu ihrem Medium und vertraten die Lehrmeinung: Wahre Künstler schneiden nicht. Wie z.B. das britische Erfolgsduo, Gilbert und George, die ohne jede Hast demonstrieren, wie man sich auf höchst kultivierte Weise betrinkt (“Gordon’s makes us drunk”). Auch die merkwürdig entrückten Darlegungen Anne Oppermanns (Tablettenabhängigkeit?, Kommunenkoller?) über ihre Kunst entwickeln sich assoziativ, spiralförmig, ohne dass vermeintlichen Aufmerksamkeitsdefiziten des Betrachters durch die unnötige B-Roll Ablenkungsmanöver entgegengewirkt wird. Nam June Paik schneidet zwar doch, und das mit Behemenz, aber er erzeugt keine Kurzweil sondern deren majestätisches Gegenteil, Zeitlosigkeit (“My Mix”). Am konsequentesten ist Bruce Naumann, der gleich ganz in die Wiederholungsschleife geht, um den Beweis zu führen, dass ein einziges Wort, sobald es nur oft genug wiederholt wird, automatisch zum heiligen Text wird (“Lip sync”) Richard Serra verweigert sich, wie schon in seinen Skulpturen, auch in seinem Video “Television delivers People” jeglichem Schnickschnack und lässt die Bilder ganz weg und formuliert in Form schwebender Untertitel seine radikalen Thesen zum amerikanischen Fernsehen: “Das Produkt des Fernsehens ist das Publikum” bzw. “Es ist der Konsument, der konsumiert wird.” Kein Zweifel, früher waren die Videos tatsächlich besser. Bei manchen konnte man sogar etwas lernen.
Gabor Baksay










