
Ganz schlecht, also richtig unter aller Kanone sind die Bilder von Oda Jaune gar nicht. Sie sind nur, obwohl manchmal ganz witzig, ein bisschen unwichtig und auf Dauer ein wenig geleckt obwohl recht lecker gemalt und die Shocking-Elemente sind in der Regel nur von mittlerer Aufregungsintensität.
Warum also erscheint im ZEIT-MAGAZIN als Titelstory (“Geburt einer Künstlerin”) eine vor staunender Ehrfurcht triefende Huldigung mit an Irrsinn grenzender Wertschätzung aus demutsvollster Froschperspektive? Ganz einfach: Frau Jaune (Michaela Danovska) hat als trauerbekränzte Immendorf-Witwe, zumindest medientechnisch, maximale Aufmerksamkeit verdient. Schließlich passt die “zarte, feenhaft schöne Kreatur” (Bunte) ihre Bildformate immer mehr dem Düsseldorfer-Akademie-Kaliber an (ab 200x 300 cm aufwärts) und verfügt über den Zugriff auf Persönlichkeiten, die im ZEIT-MAGAZIN auf Zuruf schnell mal ein paar Seiten klar machen und einen gewissen Hans-Bruno Kammertöns in Petto haben, der galant genug ist, über Odas Schmarren 10.000 huldvolle Zeichen zusammenzuschreiben (“Himmel und Hölle, gemalt wie von Hieronymus Bosch”). Dass dann auch noch Nan Goldin höchstpersönlich mit ihrer goldenen Knipse antritt, um fotografisch Hofbericht zu erstatten, versteht sich in besseren Kreisen sowieso von selbst.
Es ist nicht wirklich verwunderlich, dass das ZEITMAGAZIN, sich in Zeiten schrumpfender Werbeetats immer mehr als anzeigengestütztes Styleberatungsblatt für Hochpreischronometer verstehend, semipikante Details feilbietet, wie die Details der Sado-Maso-Garderobe der Frau Jaune, “”Sie ist ungeschminkt und trägt eine weiße Bluse, eine Reiterhose, braune Stiefel”. In dieselbe Kerbe hauen ja auch die SUEDDEUTSCHE, VANITY FAIR (“Immendorf-WItwe verzaubert Paris”), natürlich die BILDZEITUNG und alle anderen.
Dass aber das KUNSTFORUM – bislang das unangefochtene Kampfblatt kommerzfreier Kunstbetrachtung, sich zu einer blauäugigen Huldigung Oda Jaunes hinreißen lässt, bleibt unverständlich. Fassungslos reibt man sich die Auge, wenn man in der letzten Bastion des ästhetischen Widerstandes unhinterfragten Unsinn lesen muss wie: “Doch dann lässt sich Oda Jaune von ihren Assoziationen treiben, stellt Motive frei, reißt die Bildelemente aus dem ursprünglichen Zusammenhang und platziert sie auf dem gebleichten Papier neu.” Das klingt, als hätte die feenhafte Reiterhosenträgerin aus Düsseldorf die Collage erfunden. Hat sie nicht. Sie kombiniert nur wild in der Gegend herum, wie es seit hundert Jahren Usus ist, und, dass – Parbleu! – “an einigen Stellen der Papier-Untergrund hervorscheint” ist ebenso wenig originell wie sensationell, sondern einfach eine stinknormale Technik des Aquarellierens.
Frau Jaune ist eine Düseldorfer Ablegerin der Leipziger Schule, collagiert wie Neo Rauch ohne dessen Witz und verrührt pikante Painture wie Matthias Weischer ohne dessen Virtuosität und produzierte als kreative Höchstleistung einen”blonden Engel” (Hans-Bruno Kammertöns) in “weißen Srümpfen und Lackschuhen” (Kammertöns ebd.) in Gestalt ihrer Tochter Ida. Auf dieselbe passen die Eltern “der schönen Witwe” (ZEITNAGAZIN) auf. Oda weilt derweilen in Paris.
Gabor Baksay
Oda Jaune, May You see Rainbows, Galerie Daniel Templon, Paris, bis 28.2. – 11.4. 2009











Die Multiplikation profaner Füllworte sublimiert die Schlagkraft eines Kommentars nicht im geringsten.
wenn sich das gesammte feulleton des planeten, inkl. des normalerweise seine sinne durchaus beieinanderhabenden “kunstforums”dazu hergeben, eine im guten mittelfeld positionierte malerei in saus und braus zu loben, ist diese aufmerksamkeit offensichtlich erklüngelt und ist es die pflicht kleiner gratismagazine, darauf hinzuweisen, dass diese kaiserin keine kleider, sondern nur beziehungen hat.
blauäugige Huldigung scheinbarer Mittelmäßigkeit ist so verwerflich wie Denunzianz, Herr Baksay. Aber auch ihr Gratismagazin muss sich ja auch füllen.
Nein, wie reizend ausformuliert, da sieht man, wie weit man als Witwe unverdienterweise kommen kann…!
Ich will auch was malen!