Das gibt es nur in der Euregio: Durchgeknallte ChinesenLiang Shuo – installatie ‘Letter to my lover and letter to my wife’ (2005)In Zeiten, in denen die Kultur in Aachen auf liebenswerte Weise immer harmloser und Familienfreundlicher wird – wann kommt endlich Ponyreiten im Lufo? – machen Initiativen und Institutionen in der unmittelbaren Umgebung einfach weiter mit dem Wahren, Guten und Schönen. Het Domein und das z33 in Sittard und Hasselt sind z.B. schon lange sehr wahr und sehr gut. Weil davon hierzulande kein Mensch etwas erfährt, ebenso wenig wie vom Marres in Maastricht, dem excellenten Jugendclub Belge in Hasselt, vielleicht ist gerade mal das stilvoll besoffene Spirit of 66 in Verviers dem ein oder anderen bekannt (weil da mal der ex Pornostar Candy Cane gespielt hat) haben wir im Movie ab sofort eine neue Lebensaufgabe: und zwar diese kulturellen Hot Spots systematisch zu bereisen und darüber zu reden.In der September-Ausgabe beginnen wir, weil sie so schön ist, mit der Kunst. Der erste Blick ins Internet verspricht gleich ein paar Volltreffer. Het Domein zeigt unter dem schönen Namen „Chinergie“ eine „ China Summershow“ . Das man es hier nicht mit irgendwelchen Gemälden aus dem Dunstkreis der gerade dem sozialistischem Realismus entkommenen Westkunst-Imitate zu tun bekommt, sondern mit waschechter Asia-Avantgarde, dafür sorgt der Direktor Stijn Huijts. Der hat das kleine Örtchen Sittard in den letzten Jahren rasant an die Spitze des aktuellen Kunstgeschehen katapultiert. Statt jetzt die vielen Künstlernamen auf zu zählen, die sowieso kein Mensch kennt oder aussprechen kann, tanken wir lieber voll – oder sagen wir, halb voll – Sittard liegt ja schließlich um die Ecke, leeren so gut es geht, das Hirn und drücken aufs Gas.Vorher geht es aber noch ins etwas weiter entfernte Hasselt, weil es da 1. den besten Zeitungsladen der Welt gibt und im z33 die Ausstellung zweier völlig durchgeknallter Designer mit unverhohlenem Kerzenfetischismus lockt, auf die länger als unbedingt nötig, zu warten, eine unzumutbare Härte bedeutet.
Nicht erwarten können: Designer mit Kerzenfetisch in Haselt
Natürlich vergessen wir bei unserer kleinen Reise das Dorade für Outdoorgestylte Typ-2-Diabetiker nicht: das schnuckelige Monschau. Die wenigsten wissen, dass es dort auch eine Sahneschnitzelfreie Zone gibt, nämlich das Kunstzentrum KuK, das diverse Ateliers für Künstler beherbergt, die zumindest teilweise, der Moderne durchaus zugetan sind. Ob das mehr die moderne der 70er, 60er oder gar der 90er Jahre sein wird ist noch unklar. Wenn man die Internet-Atelierliste liest, beginnt man sich nachdenklich doch ein wenig die 1001 Chinesen von Ai Weiwei ins Eifelstädtchen zu wünschen.Aber nur keine voreiligen Schlüsse. Wir werden berichten. (gb)










