Heinz im Sinn auf Bushäuschentour

Eindeutig das Highlight der Tour: Heinz und der wild gewordene Glöckner von Roetgen.

Was wären Nahverkehrsbetriebe ohne die liebenswerten Darbietungen zufällig vorbeireisender Gesangskünstler? Gar nichts. Im besten Fall glichen sie einer Pralinenschachtel ohne Zellophanumhüllung. Diese beklemmende Erkenntnis machten sich die Musiker von Heinz im Sinn & die Geteiltdurchs zu eigen und begaben sich am Pfingstsamstag auf ihre Bushäuschentour durch die Eifel. Singend und spielend ging es durch vier handverlesene Juwelen internationaler Haltestellenarchitektur. Von Kornelimünster reiste man, glaube ich, über Sief, Roetgen nach Woffelsbach oder umgekehrt. In Woffelsbach waren wir nicht mehr dabei, denn das umfangreich belichtete Videomaterial bedurfte dringend sachgemäßer Lagerung und professioneller Kühlung. Derartiges war im Staub der sonnenverbrannten Eifelstraßen nur bis inkl. Roetgen zu gewährleisten.
Bis dahin aber gehörte diese hinreißend lässig dargebrachte Performance zum innigsten und schönsten, was der Konzertmonat zu bieten hatte. Innig, weil der zentimeternahe Kontakt zu den Musikern an der frischen Luft durch die strahlende Sonne eine visuelle, fast schon dreidimensionale Eindringlichkeit bekam, wie es in einem verqualmten Konzertsaal mit “intim” gedimmter Kleinkunstbeleuchtung niemals möglich gewesen wäre. Schön, weil die Herren, trotz abgeschlossenen Germanistikstudiums und gelegentlich auftretenden, dezent hingehauchten Hautunreinheiten, zu den bestaussehendsten Exemplaren ihrer Zunft gehörten. Lasziv ließen sie zur Freude der paarweise angereisten Radfahrer die Kiefer- und Oberarmmuskeln spielen. Denn wer die an der Grenze zum überhaupt Sagbaren angesiedelten Textkonvolute von Heinz im Sinn meistern will, braucht einen markant geformten Kau- und Sprechapparat. Ebenso benötigt man, um wie der Benjamin und gleichzeitig Adonis der Gruppe, Mathias Wien, ein tonnenschweres Akkordeon durch die Eifel zu wuchten, einen Biceps brachialis von geradezu biblischen Dimensionen. Kein Wunder, dass MOVIEbeta-Langzeitpraktikantin Alexandra H. sich am barocken Muskelspiel der Mannsbildern erfreuend, ihren Ausbildungsvertrag unbesehen um zwei weitere Jahre verlängerte.
Kritisch anmerken muss man allerdings eins: wenn man schon so ein lupenr ausgeklügektes Konzept fährt, muss man auch mit dem Bus mitfahren und nicht, wie es sich die Band tadelnswerter Weise erlaubte, mit dem Auto hinterherfahren. Dies hätte bei Beuys in der Kunstakademie mindestens eine fünf, wenn nicht gar eine sechs in konzeptueller Reinheit gegeben. Dafür wurde aber die Band in Roetgen mit herzlichem Glockengeläut empfangen, was wir pflichtgemäß mit unseren Videoapparaten ausführlich sowohl rauf als auch runter dokumentierten. Zum Glück hatten wir Kühltaschen dabei.
Gabor Baksay
P.S. Am 18.7. sieht man sich dann in der Raststätte. Dort spielen Heinz dann ihre gröbsten Erfolge.

Für Menschen, deren Musikgeschmack sich nicht ausschließlich auf zügellose Sakralbeschallung beschränkt, hier nun der Directors Cut.

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