In seiner Ausstellung, VOGELSANG zeigt Andreas Magdanz im Ludwig Forum wie auratisch das Gebiet des Nationalparks bis vor kurzem noch war, bevor es jetzt im Verniedlichungsschredder der EIfeler Kulturpolitik familienfreundlich zu tode portioniert wird
Antreten zur Erschießung – Andreas Magdanz demonstriert angesichts der Aachener Pressemenschen, woher eigentlich der Ausdruck “ein Foto schießen” kommt. Foto: Gabor Baksay
Wo Andreas Magdanz ist, will man nicht sein. Seine fotografischen Exkursionen in unterirdische Bunkeranlagen, nach Ausschwitz, zum BND-Gelände oder jetzt zur Ordensburg Vogelsang mit angeschlossenem Truppenübungsplatz fördern regelmäßig visuelles Premiummaterial zu Tage. Auch jetzt im Ludwig Forum hängen wieder sorgfältig austarierte Tafelbilder politisch kontaminierter Stilleben. Nur die Ordensburg fehlt. Die interessierte Magdanz nicht und irgendwie hat man es ja auch satt, beim Thema Vogelsang – immerhin 100 Quadratkilometer umwerfende Natur! – immer nur Nazi und Ordensburg zu hören. Seine ungeteilte Aufmerksamkeit schenkte Magdanz dagegen dem Belgischen Militär, das nach Kriegsende die Ordensburg Ordensburg sein ließ und ein Dorf namens Wollseifen evakuieren und zum Sperrgebiet erklären ließ. Die dort hochgezogenen Gebäudeattrappen dienten lediglich dem Zweck, Krieg zu simulieren. Ohne sich mit naheliegenden Effekten, wie z.B. “gespenstische” Durchsichten durch die leeren Räume, abzugeben, lässt Magdanz in aller Ruhe die leeren Hülsen vorgetäuschter Behausungen für sich selber sprechen. Wer das “gespenstisch” oder “post-human” findet, kennt die Belgier nicht. Deren desorganisierter Charme west-mediterraner Lebensart trifft auf Magdanz’ ungeteilte Sympathie. Ein Offizier, z.B., der zu seinem Privatvergnügen in einer Abstellkammer ein ganzes Arsenal scharfer Tellerminen “einfach so” gesammelt hatte, bekam erst Schwierigkeiten, als die Belgier das Gebiet an Deutschland zurückgaben.Diese tun nun das einzig falsche und rauben dem Areal die Aura und pflastern das Gebiet stattdessen mit rustikalen Hinweisschildern, bieten Kutschenfahrten (sic) nach Wollseifen an und lassen es zu einer Hüpfburg für Kinder verkommen. Diese hüpfen wild in die Häuser rein und raus, während ihre Eltern es ganz herrlich finden, wie “schön das alles hier “gemacht wird”. Was für ein magischer Ort das hätte sein können, wenn man ihn in Ruhe gelassen hätte, sieht man klar und deutlich an den Fotos von Magdanz. Die Ausstellung eröffnet morgen, am 18.7. im Ludwig ForumGabor Baksay











Uuups. Schon passiert. Da verwickelt man sich in Widersprüche und schon merkt es einer.
Aber nein, es geht mir wirklich um die vertane Chance in Wollseifen. Der Verniedlichungsschredder hält sich ansonsten da schwer in Grenzen. Im Gegentei. Fährt, oder besser noch, geht man an einem Sonntag Nachmittag am Eingangskabäuschen vorbei, die gnadenlos leergefegte Betonpiste in Richtung Vogelsang, erblickt und genießt man einen Gefahr signalisierenden Kontrapunkt zur Naturschönheit, wie ihn sich ein Romantiker des Beton, wie Genesis P. Orridge von Throbbing Gristle” nicht besser in Szene gesetzt haben könnte.
Lieber G.Dornenkrone ,
“In seiner Ausstellung, VOGELSANG zeigt Andreas Magdanz im Ludwig Forum wie auratisch das Gebiet des Nationalparks bis vor kurzem noch war, bevor es jetzt im Verniedlichungsschredder der EIfeler Kulturpolitik familienfreundlich zu tode portioniert wird”
Und Du wolltest nur mal so nachfragen was mit Wollseifen so passiert?
Wenn das der Pilatus erfährt…)
Liebe Grüße
C.
Lieber C.
ich rede nur über Wollseifen nicht über die übrigen Plätze in Vogelsang, die zum Großteil hervorragend gelöst sind.
Ich wüsste schon wirklich gerne, warum man diesen auratisch hochaufgeladen Platz als eine in Europa einmalige Meditationsstätte nicht erhalten will.
Hallo Gabor, hallo Helga,
das mit dem Hüpfburgkram und der angeblichen
“falschen” deutschen Herangehensweise an das
Projekt ist schlicht unhaltbar.
Keine Hüpfburgen ,keine Kutschen ( oder neu seit 3 Wochen), keine Phantasianaziland. Nichts davon stimmt.
Selbst die neue Beschilderung ist sehr diskret.
Und wer nur ein Gespräch mit dem wissenschaftlichen Leiter Dr. Klaus Ring geführt
hat, kann diese Sichtweise auch nicht halten.
Nix für Ungut , aber so simplifiziert konnte ich das nicht stehen lassen, als Fan des Projektes
IP Vogelsang und auch seines Teams, nachher wird
das noch so im Heft erscheinen…..)
Liebe Grüße
C.
“In Ruhe lasen” meinte ich natürlich unter Aufsicht. Das kostet Geld. Zwei Rund-um-die-Uhr Aufsichtspersonen müssten wir dafür schon springen lassen Aber dann wäre Ruhe. Und RUHE ist das, was dieser Ort dringend braucht, um seine einmalige Aura ausfahren zu können. Ansonsten meinetwegen alles überwachsen lassen. Das wäre dann – wenn mans gut macht – ein 1A Gedenkort mit internationaler Ausstrahlung!
Der Nationalpark drumherum ist natürlich großartig. Keine Frage. Und wie die Ordensburg hergerichtet wurde ist auch prima. Der gelbe Kasten auf dem Appellplatz ist ein schönes Störelement und fast schon Kunst.
So ein rabenschwarzer Gedenkort hätte das künstlerische Gesamtkonzept von VOGELSANG noch interessanter gemacht.
Was passiert jetzt eigentlich mit den Wollseifener Hausatrappen? Weiß das jemand? Werden die abgerissen!?
Und was soll stattdessen da gemacht/gebaut werden?
hmmm, schwierige Geschichte. Wenn man diesen Ort in Ruhe ließe, er würde seine Aura schwerlich lange behalten. Es sind ja nicht nur gelangweilte Halbstarke, die an solchen Orten gerne ein bisschen zündeln und verwüsten. Man kann sicher sein, dass grade Vogelsang in kürzester Zeit Versammlungsort der hirnlosen braunen Deutschtümler wird, von denen eh schon viel zu viele hier ihr Unwesen treiben. Wenn man dem mit Hüpfburgen wehren kann, werd ich auch noch Hüpfburgenfan. Und gegen das, was da sonst noch so an Disneylandplanungen im Raum stand, ist das ja noch ziemlich moderat. Zum Glück ist ja der Nationalpark drumherum, wer weiß was der Ordensburg sonst so geblüht hätte!
Es ist immerhin ein Trost, dass dieser Ort in den Bildern von Andreas Magdanz eingefangen wurde. Wenn auch ein verdammt schwacher.