200 Jahre irgendwas im Osten (Zappanale revisited)

Magic Band

Wir feiern 200 (0der waren es 20?) Jahre “Magic Band” - Live auf der Zappanale 2009

Da hilft auch kein 200jähriges Jubiläum. Hier ist alles falsch, falsche Leute, falscher Ort, falscher Ansatz. Es mögen sich freudentrunkene Fans noch so sehr in den Armen liegen und sich mit ihren Feuerzeugen die Schnauzbärte ankokeln: Freiheit, Anarchie & Brüderlichkeit gehen anders.Bad Doberan, (die an visueller Freudlosigkeit reiche Kreishauptstadt in der östlichen Ostsee) punktet normalerweise mit Veranstaltungen der Güteklasse “Anbaden in historischen Kostümen” bzw. “Volkslauf an der Mollispur”. Womit es aber Frank Zappa, einer der freiesten Geister der Rockmusiküberhaupt, verdient hat, ausgerechnet in dieser Hochburg tief verwurzelten Ostspießertums mit einem dreitägigen Festival und zu allem Übel auch noch mit einem scheußlichen Denkmal “geehrt” zu werden ist unklar. Schließlich hat sich der Mann nichts anderes zuschulden kommen lassen, als dass er es als als innovativster aller musikalischen Innovatoren versäumt hat, Ende der 70-er Jahre die ihm eigentlich angestammte Aufgabe des Zugpferdes des gerade abgehenden und abhebenden Post-Punk-Avantgarde zu übernehmen und stattdessen seine Gitarrensoli ins Unendliche auszudehnen und genau die angeranzte Form des sich um die eigene Virtuosität drehenden Jazzrock-Genöles zu kultivieren, die er in seinen heißen Phase (sagen wir, so zwischen 1966 und 1974) auf unübertrefflich brillante Weise ad absurdum geführt hat. Was konnte der Mann dafür, dass er ab 1978 die absolut falschen Fans anzog? Deutlich war das damals im Malteserkeller zu spüren, wenn plötzlich ausgelassene Horden von Waldorf-Pädagoginnen in selbstgehäkelten Wollmatratzen, wie auf Kommando die Tanzfläche stürmten, sobald die ersten Akkorde von “Bobby Brown” erklangen. Wenn man dem Autor der Bad Doberaner Zeitung glauben darf, sind es genau diese irregeleiteten Verehrer von Zappas Spätphase, die die kritische Masse von “3000 Besuchern pro Tag” der Zappanale bilden. Welcher vernünftige Mensch möchte schon ein Festival besuchen, das zu 90% aus vergreisten Coverbands besteht und dessen groß hinausposauntes Highlight ausgerechnet das “Original Bandmitglied” Napoleon Murphy Brock ist, der als singender, tanzender Gute-Laune-Neger in der Spätphase der Mothers of Invention die Aufgabe hatte, mit seinem nervigen Getanze, die nachlassende Spitzigkeit des Meisters zu bemänteln. Wer außerdem die Instinktlosigkeit besitzt, sein Festival mit einem epochalen Langweiler, wie dem Konzertveranstalter Fritz Rau, zu eröffnen und diesen dabei ungestraft “über 50 Jahre Backstage-Erfahrung” salbadern lässt, hat es nicht verdient seine Schunkelfete in einem Atemzug mit dem begnadeten Komponisten von “Help I’m a Rock” und “Flower Punk” zu nennen. Vermutlich aus diesem Grund klagt die Zappa Witwe, Gail, gegen die Veranstaltung und verlangt gerichtlich die Entfernung der Zappa-Büste – Hey, die Frau hat Geschmack! – aus Bad Doberan.Nein, obwohl die Veranstaltung Maßen den großen Vorzug hat, dass Dweezil Zappa nicht auftritt, bleibe ich ihr trotz des abwechslungsarmen Zwangsaufenthalt im Landkreis Doberan fern. Statt dessen gehe ich lieber in eine dieser Fischbuden und gebe mir noch mal das unsterbliche “We’re Only in It for the Monet” auf die Kopfhörer und kaue auf meinem Räucheraal im stillen Gedenken an die heilige Stunde 1970 in der Düsseldorfer Rheinlandhalle, als ich die Ehre hatte, bei einem Mothers-Konzert in der dritten Reihe sitzenden, von dem Großen Troubadour Mark Volman (kann auch Howard Kaylan gewesen sein) bespuckt zu werden. (gb)
Zappa Denkmal halbgroß

Will diese Abscheulichkeit gerichtlich entfernen lassen – Gail Zappa hat Geschmack!

16 Kommentare

1

Wer meinst DU denn wer Du bist dass Du dich erdreisten kannst so einen Artikel zu schreiben?
Der einzig WAHRE Fan Zappas? Wenn die andern “absolut falsche Fans” sind.
Wenn eine Stadt einem Freak ein Denkmal setzt kann sie ja garnicht so eine “Spießerhochburg” sein. Das eine Büste nicht ein Abruck oder Abguss desjenigen ist ist doch normal. Guck Dir doch ´mal die Büste von Adenauer, vor dem ehemaligen Bundeskanzleramt in Bonn oder die Beethovenbüste vor der Beethovenhalle ebenfalls in Bonn, an.Denn besser so ein DENKmal als garkeins. Ich perönlich finde es symphatisch und gut gelungen.
Das mit den 90% vergreisten Coverbands zeigt Dein Wissen über die Zappanale. Jedes Jahr wir mit einem Voting das Verhältnis Coverbands zu zappaesken Bands in der Fangemeinde abgefragt.
Das Ergebnis ist meist ca. 60% zu 40%. Wegen des Ausdrucks “Tanzender Gute-Laune-Neger” sollte man etwas gegen Dich unternehmen. Denn wenn Du jemals die Freude und Professionalität von Napoleon Brooks life gesehen hättest würdest Du so etwas rassistisches nicht von Dir geben. Mit diesem Mann wird das Erbe Zappas lebendig gehalten und an die nächste Generation(sh. Zappanale mit all ihren Kindern) weitergegeben. Ich habe auch zuerst gedacht dass das Ganze Leichenfledderei sei(das macht ja schon Gail) aber höre und guck Dir ´mal so Bands wie Muffing Man oder Fattore Zeta (aus Italien) an. Zu Fritz Rau soveil: ohne Ihn wär Zappa 1968 gar nicht erst nach Deutschland. gekommen.

Reiner Kümpel

11.11.2009 | 10:54

2

Okay, hast recht: Den tanzenden “Gute-Laune-Neger” nehme ich zurück. Alles andere aber nicht.

Gabor Baksay

11.11.2009 | 15:33

3

Tja, ich weiss auch nicht, immer diese Entgleisungen. Napoleon Murphy Brock ist ein hart arbeitender Mann mit einer speziellen Vorliebe für die Südstaatenküche. Und dass eine Büste nie ein Abdruck oder ein Abguss von jemandem ist, ist nicht nur normal, sondern alles andere wäre geadezu öbszön. Also jetzt kommt mal runter oder ich schiebe euch ein Uher in den Allerwertesten.

sos

14.11.2009 | 01:34

4

Napoleon Murphy Brook verdient als schwarzer Vollblut-Musiker jedermanns Respekt. Trotzdem signalisiert seine temperamentvolle Präsenz den Anfang vom Ende der innovativen Phase der Mothers. Deren Personal der 1. Generation (Bunk Gardner, Jimmy Carl Black) war an der Grenze der Erträglichkeit anarchisch und füt junge Menschen auf Orientierungssuche, zutiefst zerstörend. Die Ex-Turtles-Sänger Howard Kaylan und Mark Volman der “lustigen” Phase zwischen 1970 und 71 haben die Definition dessen, was Humor ist und wie weit er gehen kann/darf, weit über das von Monty Python eroberte Territorium hinausgetragen.
Brook dagegen war mit aufgekratzten Lustigkeit und seinem zugegeben professionellen Musikalität ernüchternd harmlos und im Vergleich mit den oben genannten Koryphäen tatsächlich “nur” eine singender, tanzender Gute-Laune-Afroamerikaner. So ähnlich als hätte Nils Lofgren (ein ebenfalls sehr respektabler Musiker), John Cale bei Velvet Underground abgelöst. Zum Glück haben die sich vorher aufgelöst.
Sorry, was für ein “Uher” willst du schieben? Das mobile Tonbandgerät aus den 60ern, Uher Report”?

Gabor Baksay

14.11.2009 | 19:40

5

Ich hab noch kein Programm gestartet, dass die Anzahl der Text-Zeichen zählt, die auf dieser Seite abgebildet wurden. Das sieht schon fast interessanter aus als das Foto - ich hätte gerne ein Programm, das die Energie messen kann, die aufgewendet wurde, um diese kryptische Zeichnung zu erstellen.
Egal, lustig find ich das nicht - eher komisch oder seltsam.

Auf den Tag, an dem Leute aus Würselen mal ein Pink Floyd - Tivoli Revival Club ins Netz stellen, freu ich mich jetzt schon. Cooler wäre ja so was wie ne Jimmy Hendrix Girl Fan Club Band oder so. Ich glaube, das werde ich noch erleben ! Yo
lg bw

Bernwardt Web Weber

17.11.2009 | 23:23

6

Hallo Web Weber,
du meinst bestimmt die wirren Zeichenfolgen der Kommentatoren und nicht meinen in gewohnter Klarsicht formulierten Text meines Essays?
Zappa forever, Zappanale never!

Gabor Baksay

18.11.2009 | 11:05

7

Baksay: Nicht das Tonbandgerät, sondern das Mikrofon des gleichen Herstellers. Dieses sehr, sehr lange Teil. Aber warum nicht gleich das Tonbandgerät dazu? :)
Web Weber: Du hast noch kein Programm gestartet das u.s.w. … Aber du wirst es noch starten? Ja? Ist das eine Drohung?? Dann hört der Spass aber auf, wenn du solche Programme startest, mein Lieber.

sos

20.11.2009 | 22:22

8

” Frank Zappas Witwe Gail Zappa und der Zappa Family Trust verklagen die Arf Society seit dem 9. April 2008 vor dem Düsseldorfer Landgericht auf Unterlassung der Benutzung des Namens Zappa, auf ein Verbot von Mitschnitten der Konzerte sowie gegen die Verwendung des zappaschen Bartes als Festival- und Waren-Logo. Bei Zuwiderhandlung solle ein Ordnungsgeld von 250 000 Euro verhängt werden können. Zur Begründung gab sie über ihre deutschen Anwälte an, es gehe ihr um die Sicherung der Qualität des zappaschen Musikerbes. ”

Gerade der letzte Satz muss unendlich weh tun. Doch so ist die Wahrheit: Hässlich, gemein und fast so nüchtern wie Zappa persönlich.

Bitch Roy

21.11.2009 | 11:00

9

SOS: Okay, Schluss mit lustig:
3486 Buchstaben
500 Wörter
40 Zeilen
1 Absatz

Das Programm, das den Aufwand der Energie für die Erstellung des Artikels misst, ist leider gecrackt, deshalb wende ich es hier nicht an! Aber die Werte sind ungemein hoch!

www web weber

24.11.2009 | 02:14

10

Ja der Gabor, immer gut für einen pointierten Verriss, auch wenn er in diesen Fall nur auf profundem Halbwissen beruht.
Die Magic Band ist nicht in diesem Jahr aufgetreten, sondern ist für die Zappanale 2010 angekündigt.
Aber du hast schon insofern Recht, dass man Danny Wally nun wirklich nicht als Innovator zappaesker Musik und keeper of the flame bezeichnen kann. Das sind dann schon eher andere, die auch schon alle da waren: Chad Wackerman, Short Budget Orchestra, Eugene Chadbourne, Daniel Rohr, und, und, und…
Unklar ist mir nur, was der Volkslauf und die waldorfchen Wollmatrazen mit der Zappanale zu tun haben.
Kann es sein, dass du einfach nur einen schlechten Tag wegen des “Zwangsaufenthaltes” und der “visuellen Freudlosigkeit” gehabt hast und der Artikel eine Art von Selbsttherapie und Frustbewältigung darstellt?
Wer da war, hat nicht nur vergreiste Coverbands gesehen, sondern auch haufenweise junge Leute auf und vor der Bühne.
Gails Grund für die Klage ist meiner Meinung nach das Prinzip deines Lieblingssongs “We’re Only in It for the Monetâ€? (Monet war übrigens ein französischer Impressionist, du meintest vermutlich “money”). Und mit Bobby Brown hat Zappa einfach nur ganz viel Geld verdient.
Wie alt bist du eighentlich, Gabor, wenn man dich 1978 schon in den Malteserkeller gelassen hat, um die falschen Fans am falschen Ort zu identifizieren?
Jedenfalls werde ich auch im nächsten Jahr wieder auf der Zappanale sein, mich über über schlechte Kopisten (wie z,B. die Grandmothers) ärgern und über Musiker wie Mike Keneally oder Struber Z’tett sowie (ausschließlich) junge Bands auf der Trackstage freuen, die Musik im Geiste Zappas machen, und auch unsere Kinder dafür begeistern.
Vielleicht erklärtst du uns ein einem weiteren Artikel ja einmal, wie und wo alles RICHTIG ist: der Ort, die Leute, der Ansatz. Und wenn es dazu dann auch noch reicht: wie “Freiheit, Anarchie & Brüderlichkeit gehen”
In diesem Sinne: music is the best!

stinkfuss

24.11.2009 | 23:29

11

Lieber Weber, was heißt hier 3486 Buchstaben? Mit Kommentaren kommt meine Software, namens Open Office (übrigens kostenlos und willkommener Anlass, das stinkende Word endlich von seiner Platte zu schmeißen) auf 12.101 Zeichen.
Wie es aussieht, der längste threat in der Geschichte dieser Website. Das alles nur, weil man die Unerlöstheit eines unsägliches Kaff benennt und das dortige Festival als Hochverrat an seinem Namensgeber – völlig zu recht – denunziert.
Ganz köstlich natürlich der Tippfehler, “We’re Only in It for the Monetâ€? HAHAHA! Habe ich das wirklich geschrieben? Jemand sollte dringendst eine Mothers-Coverband mit EXAKT diesem Namen Gründen. Die würden wegen des Verdachts auf ungebührlichen Intellektualismus allerdings nie auf die Zappanale gelassen werden. Dafür würden diese in Würde geaöterten Herren einwandfrei korrekt und Linientreu die musikhistorisch relevante Schaffensphase Zaqppas zwischen 1966 und 1972 aufarbeiten. Also von “Freak on” bis “Just another Band from NY”.
TAtsächlich, ich bin so alt, dass man mich nicht nur 1978 in den Malteserkeller gelassen hat, sondern 1970 dort sogar hat auftreten lassen. Und zwar mit der alles in allem recht peinlichen Hendrix, Floyd-(und eben NICHT Zappa) -Coverband ),The Set Minds. Ich entblödete mich damals nicht, mich zum Auftritt in eine von meiner Mutter genähte Wildlederweste mit WETSERNFANSEN dran zu gewanden. Über derart eitles Treiben würde ich ohne zu zögern einen Verriss schreiben, wenn es denn jemanden interessieren würde.

Gabor Baksay

28.11.2009 | 15:42

12

Ach ja, lieber Stinkfuss. Alles richtig, sowohl Ort- wie Ansatzmäßig war z.B.:
das Popfestival in der Soers, 1970.
“Urlaub in Polen”, “Man vs. Nature” im Malteserkeller, 2002.
KRAAK-Festival in Hasselt, jedes Jahr. Immer.
So ziemlich alles in der
Raststätte, Aachen
Volksbühne, Berlin
Galerie Adamski, nicht mehr Aachen, nur noch Berlin
Mehrwert Interfood Vitrine, Aachen
Außerdem alle – jetzt wirklich ALLE – Kopfsuelz-Partys im Parkside, Aachen
Das wars, mehr fällt mir nicht ein.
Mehr richtiges und gutes gibt es nicht.

Gabor Baksay

28.11.2009 | 18:45

13

olala - was sagt man zu so einem “Essay” - Erguss der Frustration? oder um es in “Stinkfüßigen Worten” zu sagen: Beitrag der Halbwissenden.

Hallo Gabor,
an Live-Musik kann absolut nichts Falsches dran sein - dabei ist es vollkommen irrelevant, wo dies stattfindet, wer zuschaut und wer auftritt. Da zählt nur das eine: Live-Musik.
Wenn dabei noch Bands zu sehen sind, denen das alles Spaß macht, Zuschauer da sind, die genau soviel Spaß an der Sache haben und selbst einer da oben alle vorhergesagten Wolken beiseite schiebt - was sollte daran falsch sein.

Natürlich ist Frank nicht ersetzbar - aber es gibt nun mal nur eine Art, Zappa-Musik live zu erleben: Coverbands. Ein klassisches Konzert aus der Dose mag zwar schön sein, aber im Vergleich zum Live hören ist und bleibt es Musik aus der Dose (und selbst aus der Dose ist diese Musik nur von Coverbands zu hören).

Vielleicht solltest Du Dir dieses Festival wirklich mal antun. Du wirst sicherlich nicht Bobby Brown hören und mit absoluter Sicherheit viele richtig gute junge Musiker erleben.

Dein Fauxpas mit Napoleon ist ja schon bisschen unter der Gürtellinie, aber wie kommst Du auf die Idee, zu behaupten, dass die falschen Leute da sind. Hab ich die falschen Freunde?

In einem gebe ich Dir vollkommen Recht - falscher Ansatz. Aber wiederum scheint es ja der Beitrag zu sein, der am meisten Reaktion auslöst.

Gruß
Thomas

ThomasW

19.02.2010 | 00:39

14

Interessanter Aspekt, das mit dem “an Livemusik kann nichts falsch dran sein”. Man ist geneigt, spontan zuzustimmen. Leider fällt einem ein, dass Livemusik auch als hervorragendes Instrument der Indoktrination missbraucht werden kann und wird. Ich will keineswegs behaupten, dass die Bad Doberaner Interpretation des Zappanalischen Oevres indoktrinierendes bewirken wolle. Die falschen Schwerpunkte setzt sie aber schon. Falsch in dem SInne, dass Zappa 2 Karrieren (eigentlich 3, wenn man die zeitgenössisch musikalische dazu rechnet), die erste, gute, und die zweite weniger gute, weil sie nur darauf ausgerichtet war, endlich auch mal in die Charts zu kommen (Bobby Brown) und (mehr) Geld zu verdienen. Vom Look& Feel her, legt mir diese Zappanale viel zu viel Gewicht auf die zweite. EIn vergleichbarer Fall ist Pink Floyd, die mir nach anfänglicher Begeisterung nach “Dark Side…” (ihrem ach so tollen kommerziellen Durchbruch) absolut egal geworden sind. Zappa ist mir seit “Sheik Yerbutty” egal. Bob Dylan als leuchtendes Gegenbeispiel ist mir immer noch nicht egal. Der hatte seit 40 Jahren keinen Hit (”Rolling Stone”) arbeitet konsequent an seinen Idee und steht kurz vor der Heiligsprechung. Sollte es Herrn Niedecken einfallen, ein weiteres Dylan-Coveralbum auf Kölsch zu zu erbrechen und dafür eine Statue in Bad Doberan bekommen, werde ich dieses persönlich mit Säureattentaten überziehen und einen weiteren “Essay” schreiben. Doch, es gibt sie, die falschen Verehrer des Wahren. Nicht nur in Bad Doberan.

Gabor

19.02.2010 | 18:46

15

Bei der Suche nach dem Cover der Zappanale #10 CD wurde ich durch Google auf diese Seite aufmerksam - bin also einer, der sich sowas in sein itunes lädt. Natürlich haben auf der Zappanale die “falschen” Bands ein Übergewicht und es ist bislang leider nicht gelungen, etwa B. Struber nach Bad Doberan zu bekommen - eines der besten Konzerte, die ich in den letzten Jahren gesehen habe, war seins in Didelange in Luxemburg. Das liegt aber nicht an den Zappanale-Machern, sondern an Struber selbst.

Wie auch immer: Man mag den Ansatz (zu viel Rock, zu wenig Jazz) nicht so toll finden, man mag Bad Doberan als ein trostloses Kaff empfinden, aber es ist doch jedes Jahr immer wieder toll, drei Tage am Stück alle möglichen Ansätze der Zappa-Interpretation genießen zu können. Guck doch mal Caballero Reynaldo auf youtube an, das ist schon sehr lustig… Aber auch andere Bands, die in 2010 in Bad Doberan waren, könnten wahrscheinlich doch eine Reise wert sein: Filthy Habits, Le Bocal, die echt super waren, um nur einige zu nennen.

btw: Als 11-jähriger habe ich mit Begeisterung “We’re only in it for the money” gehört und dann erst ‘78 wieder “Sheik Yerbouti”. Danach habe ich mich gründlich zurückgearbeitet zum Zappa der von Dir so geschätzten Phase 1. Offenbar gibt es einen Weg vom “falschen” zum “richtigen”. Und so richtig schlecht finde ich etwa “Broadway the Hard Way” oder die Sachen des Ensemble Modern auch nicht.

Es hat jedenfalls Spaß gemacht, den Artikel zu lesen. Und auch die Kommentare von all den Wortezählern und den Uher-Spezialisten sind nicht schlecht.

Daniel

Daniel

25.08.2010 | 14:42

16

Danke, diese Cabaleros sind ja herrlich! Und die Ensemble-Modern-Sachen sind natürlich ein knalliges Spätwerk. Das ist ja gerade das Gemeine: Zappa befand sich in einer herzerfrischen produktiven Schaffensstadium, in dem er sich, ähnlich wie du es beschreibst, im dialektischen Stechschritt zu der radikalen Qualität seiner Phase 1 zurückarbeitete. Sehr blöd, dass er gerade dann ins kühle Grab gerufen wurde.

Gabor

25.08.2010 | 15:30


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