Das Wort zum Sonntag*

Bart neu

Rennomierten und studierten Leonardo da Vincis des Bass (”Fachblatt”) sollte man mit Respekt gegenübertreten und sie nicht, wenn auch nur irrtümlich, als des Schwitzens fähige Crossover-Musiker verunglimpfen

Lieber Gemeinte**,

in unserer Ankündigung deines Kammermusikabends am 2.1.2010 im Jakobshof unterlief uns ein fataler Fehler, für den wir hier um großzügige Nachsicht bitten wollen. Aber, was war geschehen und vor allem, wie konnte das geschehen?

In einem eindringlichen Telefonat wiesest (oder heißt es „wesest“?) du uns darauf hin, dass die konzertanten Darbietungen deines von uns irrtümlich dem Genre der sog. „Rockmusik“ zugeordneten Streichquintetts namens, Alles Leben auf diesem Planeten auslöschende Endzeitseuche weder „rumpelt“, noch „schwitzt“, sowieso nicht „basst“ und schon gar nicht, dem Aggregatszustand des „Dreckigen“ zugesellt werden darf. Dein energisch und völlig zurecht vorgebrachter Tadel trifft genau ins Schwarze. Denn all diese Adjektive träfen zwar zur Beschreibung jeder besseren Rockband zu, die über halbwegs nennenswerte – pardon – Eier verfügt. Denn die Nähe zu Dreck, druckvoller Geräuscherzeugung und heißblütig strömendem Männerschweiß wird von diesem Personenkreis zum Zwecke medialer Aufmerksamkeitserregung ja geradezu gesucht. Die astrale Körperlosigkeit dagegen und der zarte Wohlklang deiner Alles Leben auf diesem Planeten auslöschende Endzeitseuche (A.L.A.D.P.A.E.) ist natürlich nicht im Allerentferntesten, selbst metaphorisch nicht, mit ekelhaften Organen wie Eiern in Verbindung zu bringen. Insofern ist unser unentschuldbares Versäumnis nicht nur respektlos, sondern grenzt an Majestätsbeleidigung. Denn deine rühmenswerte Person, lieber Gemeinte wird kraft ihrer von Natur aus innewohnenden Hochwohlgeborenheit ja nicht nur als „Bass Guru, studierter Kontrabassist und Komponist“*** gelobpreist, sondern mit allerhöchsten Ehren als „Leonardo da Vinci des Bass“**** gesalbt. Um es kurz zu machen, unsere Behauptung: „Es rumpelt, es schwitzt, es basst und ist dreckig“, wäre zur Beschreibung der musikalischen Gräueltaten halbnackter Wilder der Kategorie Mick Jagger, James Brown u.a. bestimmt angemessen und erst recht für den rumplige Krach dreckiger Crossover-“Musiker“ wie Ice-T oder Zack de la Rocha, aber niemals, ich wiederhole: Niemals, für einen feinnervigen Virtuosen deines überirdischen Kalibers.
Zu unserer Entschuldigung können wir nicht viel anführen, außer der Tatsache, dass die musikalischen Genres heutzutage ja immer vielfältiger und unüberschaubarer werden. Wer soll die zahllosen Unterkategorien der Housemusik von Trance bis Minimal oder die verwirrende Spannbreite des Hip Hop von Old School bis New School mit all ihren Zwischenabstufungen noch auseinanderhalten? Gott weiß, wir bemühen uns, aber trotzdem kann es im Eifer des Tagesgefechts geschehen, dass wir ein virtuoses Streichquartett mit einer pöbelnden Crossoverband verwechseln. Eigentlich sollte es ja jeder wissen und seit eurem Auftritt bei Woodstock 2009 in Przystanek wissen es auch 500.000 Polen: Die Power deiner 650 Watt Professional-Tube-Definition-Bassanlage dient keineswegs dem Zweck, irgendwie machohaft zu rumpeln oder gar zu bassen, sondern dazu, den von dir sauber gezupften Kammerton Cis in maximaler Reinheit und Reichweite klingen zu lassen. Ebenfalls ganz genau wissen sollten wir auch, dass deine Gitarristin, in sittsames Weiß gewandet, in der gesamten Musikwelt als Hildegard von Bingen der Strat verehrt wird. Auch dass dein Drummer seine mit Flokati bespannten Trommeln ausschließlich mit Lenor gewaschenen Q-Tipps weder schlägt, schon gar nicht prügelt, sondern streichelt und tupft, hätten wir natürlich wissen müssen. Ich wusste es auch – und nun kommen wir zu den Schuldzuweisungen: Unser Musikredakteur, Alex „Muya“ Barth wusste es anscheinend nicht und wird deshalb von uns an das Eingangstor des Konservatoriums in Köln gekettet, wo er in Ruhe darüber nachdenken kann, wie die musikalischen Genres auseinanderzuhalten sind und wo man ein bisschen schludern kann und wen man aber mit uneingeschränktem Respekt zu behandeln hat.
Wieder gut?
Gabor Baksay
P.S.
Eins vielleicht noch zur Entlastung unseres “muya” Barth: Nicht nur diesem höchstem Leistungsdruck ausgesetzten Lohnschreiber passieren stressbedingte Fehler. Auch der beliebte und renomierte Internet-Radiosender Last.fm beschreibt die Alles Leben auf diesem Planeten auslöschende Endzeitseuche mit folgenden, offensichtlich frei erfundenen Tags: rock, experimental metal, artcore, zappanale, german

*Copyright: RetroBert
** Copyright: RetroBert

***Christian Riepers, Programmheft „Die Weberei“
****„Fachblatt“
***** dessavoiren = jemanden anzweifeln, ihn in Miskredit bringen

8 Kommentare

1

Eine korrekte Entschuldigung nach Knigge ist das ja nicht wirklich. Dafür liest sie sich aber echt süffig. Leider kenne ich die wahre Identität dieser “Endzeitseuche” nicht, wäre aber schon neugierig. Flash Future?

Fido

14.01.2010 | 11:09

2

Meine tiefste Verehrung, Gabor.
Dir reicht so schnell keiner das Wasser. Und in deinen Wald sollte besser nur hineinrufen, wer ein paar weniger Bretter vorm Kopf hat.

Ich schäme mich dafür, dass meine Triebe so nieder sind, dass meine Wangemuskulatur nach der Lektüre in einem schmerzhaften Krampf erstarrt ist, aber selbst diesen Schmerz zelebriere ich mit Genuss.

Ehre, wem Ehre gebührt. ;)

Oder: Sometimes a man’s gotta do, what a man’s gotta do.

P.S.:

S.G. Fido - nein, es handelt sich nicht um Flash Future. Versuch es weiter. Kleine Hilfestellung: Betrachte Gabors Namensgebung als ein Synomym-Wortspiel des tatsächlichen Bandnamens.

pongo

16.01.2010 | 14:01

3

Flash Future? Hilfe, nein! Die rumpeln und schwitzen ja nicht nur, sondern sind an den Ohrläppchen gepierct (Ohrringe) und verwüsten ihre Hotelzimmer mit Miracoliflecken. Außerdem – wo ist denn bei Flash Future die Gitarristin, bitte schön?

Gabor

16.01.2010 | 16:19

4

Damit keine Verwechslungen Auftreten:

unsere wunderschöne Bassistin spielt die 15000 Watt Mud-Definition Bassanlage von Flash Future ist AUSSCHLIESSLICH um machomäßig zu rumpeln und jede Art von reinen Kammertönen die dem archaischen Lärm im Wege stehen könnten einfach durch die Hintertür aus dem Saal zu pressen…

Turbo

18.01.2010 | 16:17

5

Ach!? Ihr habt neuerdings wirklich eine Bassistin? Gute Idee. Muss ich gucken. Natürlich nur mit 1.-Hilfe-Kasten und Familienpackung Ohropax. Hoffe, es gibt baldigst einen Gig.

Gabor

18.01.2010 | 16:24

6

Morgen. Also Dienstag, 19.. Als Opener Band bei den Tuesday Grooves im Jakobshof. Steht auch in deinem Terminkalender. ;-)

Ich will hin. Muss mir das mit dem Pelzer als nagelneuem FF-Gitarrenmann unbedingt mal reintun…

pongo

19.01.2010 | 00:45

7

Werde Knipse mitbringen. Ich glaube, diese neue Bassistin hat ziemlich wenig Haare.

Gabor

19.01.2010 | 10:29

8

“wenig Haare”
Hehe, haste auch schon gemerkt. ;)
Im Gesamt-FF-Schnitt ist Neueinsteiger Pelzer glaub ich noch am rapunzeligsten.
Der Jim Jams-Nesletter teilte mir mit, Ramonah sei heuer als Gaststar - öh - wieder der Name schon sagt: zu Gast.
Könnte interessant sein, diese Kombi….

pongo

19.01.2010 | 12:00


Kommentieren: