Mandy und die Wirtschaftswaisen bewirtschaften das Mörgens

Mandy und die Wirtschaftswaisen – Regie Thomas Oliver Niehaus

Mein lieber Herr Niehaus. Da haben Sie aber einen Zweireiher gezwirbelt, der an einem verdammt dünnen Faden hängt. Ich verzeifle nicht daran, dass Sie das Thema “Krise” nicht sonderlich interessiert, denn Sie haben ja vollkommen recht: Es ist der Rede nicht wert. Um so mehr Spass macht es, sich seiner anzunehmen und es so flach zu fabulieren, wie ein Original Pizza Steinofen nun mal sein muss.
Offensichtlich ist Teilen des Premierenpublikums (gar nicht zu reden, von einem ganz bestimmten, sehr kleinen Teil des Premierenpublikums, dass jede kommödiantische – oder sagt man kommödienhafte? – Erhebung frenetisch feierte) dabei entgangen, dass es gar nicht flach genug sein kann, wenn es um den Verlust der Bodenhaftung geht. Eine Fehlleistung, der Sie munter Kredit geben, indem Sie höchst werbeunwirksame Ausblendungen immer dann vornehmen, wenn gerade echte Krisenstimmung aufzukommen droht, welche zu vermeiden vor dem Hintergrund der Kulisse der Gastronomie ja schon fast wieder ein Kunststück an sich ist (Die kleine Kneipe mit ihrer Deckelwirtschaft, die sie da inszenieren, die muss wohl noch aus der letzten Wirtschaftswunderkrise stammen. Oh, habe ich da etwas umgestoßen?). Stattdessen reihen Sie mit grausamer Berechenbarkeit sieben mehr oder weniger alkoholisierte Episoden hintereinander, während derer man den Werbeunterbrechungen entgegen fiebert (TV-bildlich gesprochen). Und das nur, damit manche hinterher sagen können: “Wir waren gestern im Theater”. Theater, Theater. Politisches Theater, wäre mal was anderes. So richtig auf die Fresse kriegen, wie vom MacDonalds Mann (Alle, die das Stück gesehen haben, werden sich an das flaue Gefühl im Magen erinnern). Und das ständig und bitte alle durcheinander, wie das in Kneipen so üblich ist. Danke für die Single-Auskopplung (“Danke” aus dem Theaterstück Mandy und die Wirtschaftswaisen – Von Thomas Oliver Niehaus hier über iTunes kaufen). Von mir aus auch mehr Produktplacement, eingeblendete Lacher, Typen die mit Schildern rumlaufen, auf denen “jetzt Klatschen” steht. Vielleicht muss eine Theaterkarte wirklich erst durch Teilnahme an einem Telefonspiel gewonnen werden, damit endlich Schluss ist mit Lustig. Oliver Thomas Niehaus. Du Darfst!
(sos)
06. | 13. | 27. November 2009, jeweils 20 Uhr
Mörgens

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