Sanfte Kritik an der offiziellen Berichterstattung der Stadt Aachen

Begnügen Sie sich nicht mit Halbheiten: schützen Sie ihr Gehirn effektiv vor Eiern herrschsüchtiger Fischmenschen aus dem Südpazifik.

Sicher haben Sie als aufmerksamer Bewohner unseres geliebten Städtchens bemerkt, daß es im letzten Jahr eng geworden ist in Aachen. An den Supermarktkassen herrschen mittlerweile Verhältnisse wie in der seligen Ostzone. Die Linienbusse des städtischen Personenbeförderungsunternehmens, dessen Namen hier wegen der sehr beengten Platzverhältnisse in diesem kostenlosen Stadt- und Kulturmagazin nicht genannt sein soll, sind mit aneinandergepreßten Leibern hilfloser Fahrgäste überfüllt. Sogar auf abgelegenen Straßen wie dem Burtscheider Eselsweg kommt es morgens immer wieder zu langen Fußgängerstaus. Nun ist es eine Sache, eine solche Beengung der öffentlichen Verhältnisse zu bemerken, eine ganz andere Sache ist, auch nach dem “Warum” zu fragen. Genau das taten wir vom MOVIE-Investigativ-Team nicht, und erhielten trotzdem folgende Information vom Presse- und Informationsbüro der Stadt Aachen: Aachen . Für Aachens Bevölkerungsanstieg von 252.232 im Jahre 2000 um 2.420 auf 254.652 im Jahre 2001 waren fast ausschließlich Wanderungsgewinne verantwortlich. Sie ergaben sich aus der Differenz von 16.943 Zuzügen nach Aachen und 14.530 Fortzügen aus Aachen. 2420 Menschen! Eine schier unfaßbare Zahl. Mit 2420 Menschen könnte man exakt 220 Fußballmannschaften zusammenstellen, oder auch 806,6666666666 Skatrunden.
Wenn von 2420 Menschen jeder nur eine Mark spenden würde, dann müßte man sich bis zur Landeszentralbank begeben, um den entstehenden Betrag in gültiges Geld umzutauschen. Noch unheimlicher als die pure Quantität ist allerdings der Grund, den das Presse- und Informationsbüro der Stadt Aachen für diese Massenimmigration angibt.
Es ist kaum zu glauben, daß tatsächlich 2420 Menschen nur in unsere Stadt eingefallen sind, um schnöde Wanderungsgewinne zu ergattern. Wanderungsgewinne sind kleine, aus billigem Blech angefertigte Anstecknadeln und Medallien, die Wandervereine ihren zahlenden Mitgliedern schenken, wenn diese an einer Volkswanderung teilgenommen haben. Zu dem Überschuß and Wanderungsgewinnen kam es offensichtlich wegen eines handfesten Streites zwischen den Zuzügen, einem 16943 Personen umfassenden armenischen Bergvolk, und den Fortzügen, einem anderen, 14530 Köpfe zählenden armenischen Bergvolk, das anscheinend in Aachen lebt. Darüber, wie nun die Wanderungsgewinne aus dem fernen Armenien nach Aachen geschafft wurden und dort Immigranten anlocken konnten schweigt sich die offizielle Verlautbarung der Stadt Aachen allerdings tüchtig aus. Um so wortreicher beschreibt es dafür, aus welchen Landstrichen der Welt unsere neuen “Mitbürger” kommen. Die meisten Zuzüge nach Aachen kamen mit 9.527 aus Nordrhein-Westfalen, aus anderen Bundesländern kamen 3.348 Personen, aus dem Ausland 3.985. Unbekannt war die Herkunft bei 83 Personen. Bei den Zuzügen aus Nordrhein-Westfalen steht der Kreis Aachen mit 2.756 Personen ganz oben, allerdings sind mit 3.464 mehr Personen aus Aachen in den Kreis fortgezogen. Bei den Zuzügen aus den übrigen Bundesländern steht Niedersachsen mit 483 Personen an erster Stelle, gefolgt von Baden-Würtemberg mit 456, Rheinland-Pfalz mit 442 und Bayern mit 441 Zuzügen.
Übersieht man einmal die kreative Pluralbildung und Satzstellung , so ist der erste Satz dieses Abschnitts ein Quell hochbrisanter Informationen! Anscheinend haben sich alle Zuzügen dieser Welt in Aachen versammelt, um hier ihre Differenzen mit den Fortzügen auszutragen. Daß aus den anderen Bundesländern und aus dem Ausland noch mehr Personen eintrudeln, spricht für sich. Schließlich wird Aachen seit dem Zweiten Weltkrieg immer wieder mit dieser “Achse der Ambivalenz” aus Nordrhein-Westfalen, den anderen Bundesländern und dem Ausland konfrontiert. Wirklich Bedrohliches birgt aber der Satz: “Unbekannt war die Herkunft bei 83 Personen.” Natürlich könnte man jetzt anfangen, wild über die Herkunft dieser 83 Personen zu spekulieren, um auf Nummer sicher zu gehen, werden wir allerdings lieber jemanden zu Rate ziehen, der im Allgemeinen sehr gut Bescheid weiß, nämlich den Seher Nostradamus. Der schreibt auf einer Internetseite:
“Das Thyrrhenische Meer, der Ozean unter der Bewachung
des großen Neptum und seiner Dreizack-Soldaten”
Damit ist ganz klar, was es mit den 83 Personen unbekannter Herkunft auf sich hat. Es handelt sich um 83 Fischmenschen aus dem Südpazifik, die ihre Eier in die Gehirne ahnungsloser Aachener Bürger injizieren wollen, um so langsam und allmählich die Weltherrschaft an sich zu reißen. So erklärt sich auch, warum 3464 Menschen die Stadt verlassen, um sich in einen Kreis zu setzten. So was tut man normalerweise, wenn man fremdartigen Fischmenschen kleine flauschige Hundebabys opfern möchte. An dieser Stelle ist sanfte Kritik an den Formuleuren des Presse- und Informationsbüros der Stadt Aachen angebracht. Schon aus Gründen des Tierschutzes wäre es wünschenswert, den Bürger nicht nur mit Zahlen zu versorgen, sondern ihm auch ein bißchen Hintergrundinformation zu liefern. Wie sollte man sonst wissen, daß man im Moment besonders gut auf seine flauschigen Hundebabys aufpassen muß? Daß man die Plätze, an denen die Zuzügen und die Fortzügen ihre Differenzen austragen, meiden sollte? Daß man regelmäßig kontrollieren sollte, ob man die Eier von herrschsüchtigen Fischmenschen aus dem Südpazifik im Hirn hat? Liebes Presse- und Informationsbüro der Stadt Aachen, hier wollen wir in Zukunft etwas vollständiger unterrichtet werden! Ich selbst will diesen Artikel nun aber abschließen, denn ich muß dringend mal mein Gehirn nach Fischeiern abtasten. In letzter Zeit schreibe ich so seltsames Zeug…
Hartmut Heil

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