Satire und nichts als sie. Rich Boys Oktober-Miniposter wurde von einigen Lesern offenbar als ernst gemeintes Burschenschaftspamphlet mißverstanden.
“Lieber Gabor,
bekam gerade einen Anruf von einem empörten Leser, der das Burschenschaft-Miniposter für bare Münze genommen hat.
Hab mich lange mit ihm unterhalten und hatte ein bisschen Mühe, ihn zu überzeugen, uns zu glauben, dass das Satire sei und uns nicht wegen Volksverhetzung anzuzeigen.
Er sagt, er geht oft ins Kino und kennt von daher das Movie, schätzt sich als nicht unintelligent ein, kennt uns auch als Autoren, von denen er sich “So was” nicht vorstellen könne – und er sei sich dennoch nicht sicher, ob das Poster wirklich Satire sei. Das Movie sei ja keine Satirezeitschrift, sondern liefere Service über Kino, habe normale Werbeseiten und einen kleinen redaktionellen Teil… und es stehe auch nirgends, was so ein Miniposter ist, dass das z.B. immer Witz und Satire sei.
Ok, mein Vorschlag, wenn man in Zukunft nicht plump und dick Satire auf die Seite selber schreiben möchte, wäre, im Impressum “(Satire)” hinter “Miniposter” zu setzen.
Ich glaube, ich hätte, wenn ich Rich Boys Poster vor dem Druck gesehen hätte, auch nicht an die Verwechslungsgefahr gedacht.
Na, wie auch immer. Müssen wir in Zukunft besser drauf achten, die Dinge für die Leute klarer zu machen. Da setzen wir zu viel voraus.”
Dass uns jemand tatsächlich einen ernst gemeinten Aufruf, sich in männertümelnden Geselligkeiten die Visagen aufzuschlitzen, zutraut, überrascht mich doch ein wenig. Aber gut, die Zeiten werden schwärzer und rechter. Da wäre es zumindest prinzipiell denkbar, dass auch ein notorisches Freigeisterblättchen wie Moviebeta sich in müffelige Gefilde des rechten Lagers wechselt.
Ob wir deshalb aber jeden humorig gemeinten Artikel mit Satire überschreiben sollten, widerstrebt mir allerdings sehr.
In diesem Fall des Miniposters wäre aber gut und wichtig gewesen, wir hätten einen Hinweis gebracht, dass die hahnebüchenen Texte zum großen Teil Zitate aus einem real existierenden Burschenschaftsflyer sind. Das hätte nicht nur die Witzigkeit des Ganzen verbessert, sondern hätte auch beim letzten Leser eindeutig klar gestelllt, dass es sich um Satire und kein dumpfbackiges Nazipamphlet handelt.
Gabor Baksay











Tschetschenien, nicht Tschechien! Sind den jetzt alle verrückt geworden?
Ach so, jetzt versteh ich. Die Filme sind auch Satire und es gibt sie gar nicht. Deshalb steht da auch immer was von Leuten dazu, die sie nicht gesehen haben. Bin beruhigt.
Wie denn jetzt? Das ganze Heft ist doch Satire, besonders die Hinweise auf die Filmchen, die es doch so garantiert nirgendwo zu sehen gibt? Das sagt doch auch der tschechische Herausgeber in seinem aufschlussreichen Videovorwort…
Ich finde wir sollten den Weg konsequent zu ende gehen. Nicht nur in seniorenfreundlicher 14-punktschrift SATIRE über alles schreiben, was nicht den amtlichen Richtlinien der allgemeinen deutschen Stadtmagazinkonvention entspricht (also über alles, was sich über anzeigengestützte Veranstaltungsankündigung und deren Verherrlichung hinausgeht) sondern dies auch noch ausführlich ERKLÄREN. Also dem Leser in einer Art Metatext oder per Fussnote genau nachvollziehbar machen, worum es im Einzelnen geht und worin genau der Witz besteht.
Im vorliegenden Fall der Burschenschaftler wäre das also der Hinweis: “Diese Mitglieder des zwar frei erfundenen aber exemplarischen Mongolia Corps haben haben keinen Penis und müssen sich deshalb gegenseitig in sadomasochistischen Kampfritualen ihre adipösen Schweinebacken aufschlitzen, sich überdies, mangels Alternativen, durch “Selbstmassage der Haut” selbst “verwöhnen” und zu guter Letzt in hackeduhnen Burschenschaftsflyern (aus denen das Miniposter strecjenweise wörtlich zitiert) braunen Dreck hinausposaunen, der sich erdreistet, seine mehr als bedenkliche Nähe zu braunem Nazidreck, als “außergewöhnlichen Standpunkt” zu bezeichnen. Weil wir das zum abwatschen finden, hat unser Jugendbeauftragter, Rich Boy, versucht, diese Dumpftruppen so weit es in unseren Möglichkeiten steht, tunlichst in den Dreck zu ziehen. Dies zum Zwecke der Warnung und Belehrung unserer studierenden Jugend, die durch soziale Kälte und dem wachsenden Druck des Bachelor-Studiums zunehmend der Gefahr ausgesetzt ist, den Einflüsterungen dieser von Vaterland (“Du willst doch kein Baum ohne Wurzeln sein”) und Ehre (“Oder ist dir Un-Ehrlich-Keit lieber?”) faselnden Idioten zu erliegen.”
Auf diese Weise sollten wir eine unnötige Verwirrung argloser Leser auf ein Minimum reduzieren und den Verdacht, wir würden braunes Gedankengut verherrlichen, gar nicht erst aufkommen lassen. Und jetzt weiter zur nächsten ultrageilen Veranstaltungsankündigung.
Bitte, bitte keine Hinweise auf Satireinhalt. Es muss doch möglich sein, den Leuten hierzulande Humor zuzumuten ohne DICK UND FETT Humor drauzuschreiben.