Posted am 02.03.2010, 07:50 in Heimatkunde, Home, Allgemein von Gabor

Helden, Panningen, 1944 – NS-Mordprozess Boere, Teil 4

ecki illu

Herr van den Mullen, denunziert von Boere, verstarb im KZ

„Es war das nationalsozialistische Fernziel, gewachsene soziale und religiöse Zusammenhänge zu zerstören, um die Verfügung über die dem Terror isoliert ausgelieferten Menschen zu gewinnen. Das Gute im Menschen auszumerzen, die Fähigkeit zu Mitgefühl und Solidarität. Und die vereinzelten Menschen als verflüssigtes und homogenes Material für die nationalsozialistische Gestaltung des Großraums Europa zuzurichten, niedrige Instinkte zu wecken und in die Kollaboration einzuladen“, sagt Detlef Hartmann. Bei den niederländischen Fluchthelfern aber sind die Nazis damit gescheitert. Weiter lesen »


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Posted am 01.01.2010, 18:08 in Heimatkunde, Home, Allgemein von Gabor

Von einem der auszog, das Fürchten zu lehren

kotelett

Silvia Szymanskis Fortsetzung ihres gleichnamingen Berichts in der Dezember 09-Ausgabe von MOVIEBETA.
Illustration: Son of Schmilsson

1.12., 8.12. 2009
Mit siegesgewissem oder aufgeregtem Beben in der eigenartig sprechschulmäßigen Stimme, verliest B.s Verteidiger Matthias Rahmlow (R.) das diesmal mit dem Lissaboner Vertrag begründete Remake seines Antrags auf Einstellung des Verfahrens aufgrund des Verbots der Doppebestrafung: B. wurde in den Niederlanden zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt, Deutschland jedoch lieferte ihn jahrzehntelang wegen (aus deutscher Sicht) Verfahrensmängeln nicht aus. Oberstaatsanwalt Ulrich Maaß lobt ironisch R.s „fleißiges Konstrukt“; Lissabon setze jedoch nicht die deutsche Verfassung außer Kraft. Die Anwälte der Nebenklage halten R.s paragraphengespicktem, aber logisch verdrehtem Text entgegen, das Verbot der Doppelbestrafung könne nicht Gar-nicht-Bestrafung bedeuten. Man müsse sich für eine konsistente Argumentationslinie entscheiden: Entweder erkenne man das NL-Urteil gegen Boere an – dann müsse man ihn ausliefern. Oder man erkenne es nicht an – und führe den Prozess, in dem man sich gerade befinde.
Am folgenden Prozesstag lehnt Richter Gerd Nohlden Antrag ab, so dass die Erklärung B.s zu seinen Morden verlesen werden kann. Weiter lesen »


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Posted am 28.05.2009, 12:14 in Heimatkunde, Home, Allgemein von Musikredakteur

Das wahre Drama dieser Tage: TSCHÖ, PALE!

palesw

Einst machten sich vier Jungs aus der Aachener Peripherie auf, mit ihrer Band PALE das damalige „Indie-Wasteland“ Deutschland kräftig aufzumischen. Mit einer (be)rauschenden Minitour sagen sie nun Grazie und Goodbye, der Gig im Jakobshof am 28. Mai verspricht ein letztes Mal Menschen, Biere, Emotionen.

Mit einer gehörigen Portion D.I.Y.-Attitüde, Enthusiasmus, Spielfreude und einem bereits recht früh erkennbaren Sinn für große musikalische Momente brachten sie es auf 6 Alben, das letzte 2006 beim Hamburger Szene-Giganten Grand Hotel Van Cleef. Wohlverdienter Erfolg, beste Kritiken und haushohe Sympathiewerte schlugen ihnen entgegen, einer Band, die mit den Kochs-Brüdern an Gesang und Drums sowie Gitarrendandy Christian Dang stets ihr Grundgerüst behielt. Der langjährige Bassist Hilly, welcher die Band 2007 verließ, ist rückblickend sicher ebenso als bemerkenswerte Konstante zu sehen, brachte er doch so etwas wie Punkrockcharme in die Bandbude.

15 Jahre sind nun offenbar (leider) genug - Die bleichen Indieheads mit Homebase in Merkstein schrieben europaweit Geschichte(n) und lassen es nun gut sein - schade!

Donnerstag | 28. Mai | 20 Uhr | Jakobshof

Alexander Barth


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Posted am 19.05.2009, 11:03 in Heimatkunde, Home, Allgemein von Gabor

Talging Heads #01 – Aachens schlaue Köpfe im Gespräch

Claudia Mayer

Horaz in der Diaspora? Prof. Claudia Mayer schafft kulturelle Inseln im technophilen Geistesleben Aachens

Die einen jammern, Aachen sei kulturelle Diaspora, die anderen wollen nur ungestört vor ihren Computern daddeln.  Was ist dran an den gegenseitigen Vorurteilen zwischen Geistes- und Naturwissenschaftlern? Wir befragten hierzu Prof. Dr. Claudia Mayer, die in ihrem Studiengang C-MD ( Communication and Multimedia Design) an der FH Aachen genau an der Schnittstelle zwischen den Disziplinen steht.

Sind praxisorientierte Technikstudenten kulturell wirklich so desinteressiert?
Das betrifft uns hier eigentlich gar nicht, weil wir ein stark geisteswissenschaftlich ausgerichteter Studiengang sind, wo Technik nur insofern zum Einsatz kommt, als sie Mittel zum Zweck ist.  Die Studierenden  müssen z. B. programmieren können, um in der Lage zu sein, eine Website zu gestalten. Oder sie müssen Videotechnik “können”, um einen Imagefilm drehen zu können. Das Konzipieren aber einer Website oder eines Imagefilms, die Antwort auf die Frage: “Wie erreiche ich meine Zielgruppe und wie spreche ich sie an?” ist eine klar geisteswissenschaftliche Frage, deren Beantwortung die Kenntnis geisteswissenschaftlicher Methodik voraussetzt. Ganz klar.

Das umgekehrte Vorurteil der Techniker lautet: Geisteswissenschaften können nichts beweisen und betreiben lediglich eine “Laber”-Wissenschaft. Mit der nötigen Chuzpe und Improvisationsfähigkeit kann man sich als Geisteswissenschaftler aus jeder Problemstellung irgendwie herausparlieren.
Das liegt daran, dass die Naturwissenschaftler oder solche, die so denken, tatsächlich in der Regel keine Kenntnis davon haben, wie Geisteswissenschaften arbeiten. Geisteswissenschaften sind eine der allerersten Wissenschaftsdisziplinen des Abendlandes, als es den Gedanken der Disziplin noch gar nicht gab. Der Methodenapparat ist - natürlich - genau so wissenschaftlich wie der in den Naturwissenschaften. Die Auseinandersetzung zwischen Geistes- und Naturwissenschaften ist ja keineswegs neu und geht auf das frühe 19. Jahrhundert zurück, auf den Beginn der Hochschulgründungen in Deutschland durch Humboldt. Diese Diskussionen sind aus historischen Gründen sicherlich interessant, aber heute längst nicht mehr zeitgemäß. Manchmal hat man das Gefühl, dass Kollegen, die sich immer noch daran abarbeiten, 200 Jahre zu spät kommen. Unsere Methoden sind notwendigerweise andere als die der Naturwissenschaften. Das kann ja auch gar nicht anders sein.

Wie steht es denn mit dem umgekehrten Vorurteil, dass die Techniker kulturell desinteressiert sind? Wir bekommen ja ständig zu hören, dass es unser Magazin eigentlich gar nicht geben dürfte, weil es ein junges, kulturell interessiertes Publikum in Aachen nicht gibt. Stattdessen nur tausende von Maschinenbaustudenten, die als kulturelles Nonplusultra eine Fußballübertragung auf der Pontstraße betrachten.

Zum Glück ist Aachen nicht in dem Maße “kulturelle Diaspora”, als die es mitunter - auch in den Medien - erscheinen mag. Natürlich ist das geistig-wissenschaftliche Klima der Stadt ein naturwissenschaftlich-technisch dominiertes. Deutsche Universitätsstädte vergleichbarer Größe, aber mit breit aufgestellten Hochschulen, wiesen im Vergleich eine andere kulturelle Folie aus. Aber ich muss auch deutlich sagen, dass es entgegen des Vorurteils auch in Aachen überall “Inseln” gibt, die ein sehr wohl kulturelles und auch hochkulturelles Interesse auszeichnet. Diese “Inseln” können ganze Einrichtungen sein - ich denke an die vielzähligen Angebote der Aachener Theaterlandschaft zum Beispiel - oder auch einzelne Individuen. Ich kenne zum Beispiel eine ganze Reihe von Kollegen, die nicht dem Klischee des einseitig interessierten Ingenieurs entsprechen, sondern Klavier spielen, malen oder gerne ins Theater gehen und kulturell informiert sind und die man auf den einschlägigen Events der Region trifft. Ich habe da inzwischen sehr schöne Netzwerke aufgebaut.

Wie funktioniert der Mix zwischen geistes- und naturwissenschaftlichen Disziplinen denn in Ihrem Studiengang?
Wir vermitteln kreativen, kommunikativ basierten Umgang mit den Medien: Im Zentrum steht bei uns der Begriff der Kommunikation in all seinen Facetten. Denn wenn man mit Medien zu tun hat, geht es immer um Kommunikation. Also müssen unsere Studierenden die wesentlichen Elemente, was soziale Kommunikation ist, wie sie funktioniert, warum sie schief läuft und warum sie in jedem Medien anders sein muss, beherrschen. Es geht darum, z. B. als Marketingspezialistin oder -spezialist, als Designer oder Websiteentwickler möglichst optimal zu kommunizieren. Dazu braucht man Ideengeschichte, Kenntnisse aus dem theaterwissenschaftlichem Bereich, der Dramaturgie. Wie baue ich einen Text so auf, dass es interessant ist, einen Spannungsbogen hat, dass er wahrgenommen wird von meiner Zielgruppe. Und wie komme ich überhaupt an meine Zielgruppe? Welche Medien setze ich dazu ein und wie setze ich sie ein? Die Kommunikationsprofis, an deren Ausbildung wir arbeiten, müssen die Technik kennen und beherrschen, aber wer keine Inhalte machen kann - und das als Punktlandung -, der kann auch keine Konzepte machen. Unser Studiengang richtet sich nicht an die reine “Umsetzer”: wir lehren die Konzeption und ihre Umsetzung - und das alles aus einer Hand. Wir bilden Generalisten mit Spezialkenntnissen aus, dazu gehört auch im klassischen Sinn Bildung, dazu Gestaltung, jeweils medienspezifisch, die technische Umsetzung (vom Programmieren über Audio- bis Videotechnik) und dann auch BWL und Unternehmenskultur, damit unsere Absolventen die Projekte im Job auch “rechnen” und realisieren können. Richtige Schnittstellen-Leute eben.

Wie Sie das beschreiben, klingt das sehr handfest. Ihr Generalist mit Spezialkenntnissen bewohnt offenbar nicht den Elfenbeinturm, in dem z. B. ich zu leben versuche. Ist Ihr Absolvent, ausgestattet mit all den lobenswerten Kommunikationsqualitäten, wirklich offen für Unbekanntes, für Phänomene, die nicht ins gelernte Schema der Marketing- oder Verhandlungsstrategien passen?
Eine gute Frage. Der Bachelor-Studiengang, den wir anbieten, dauert drei Jahre. Um die letzten Tiefen kreativer Weltwahrnehmung auszuloten, fehlt also ein wenig die Zeit. Denken braucht Zeit. Und davon gibt es in einem solch dichten, straff durchstrukturierten Studiengang einfach zu wenig. Im Bachelor-Studiengang versuchen wir aber, solide Grundlagen für weitere Erforschung des Themas zu legen. Die Vertiefung, das weitere Erforschen, kann dann im Master erfolgen. Außerdem versuchen wir solche Studierenden auszuwählen, die aufgrund ihrer Persönlichkeit und ihres Lebenslaufes eine Affinität mitbringen, übergreifend denken zu können, “interdisziplinär” sein zu können. Wir bieten hier an der FH zurzeit keinen Master an, das mag sich aber in Zukunft ändern. Bis dahin arbeiten wir erfolgreich beispielsweise mit der TH und anderen Universitäten zusammen und empfehlen geeignete Studierende, die das Zeug dazu haben, zur Vertiefung dort hin.
Meine Studierenden lernen aber schon auch hier an der FH bereits viel Theorie. Zum mitunter durchaus “übersichtlichen” Vergnügen so mancher in den ersten Semestern. Da fange ich mit Aristoteles an und galoppiere durch 2000 Jahre Geistesgeschichte. Dabei finden wir in Aristoteles’ Dramentheorie zahlreiche Anknüpfungspunkte zu heutigen Fragestellungen der Kommunikation.
Genauso mache ich es mit Horaz. Er ist im Übrigen, was die Funktion von Live-Medien angeht, höchst aktuell. Außerdem machen wir jedes Jahr im Sommer ein Theaterprojekt. Da gebe ich den Studierenden einen Prosatext, den sie selbstständig in ein Theaterstück übersetzen sollen. Diesmal ist es eine Satire aus den 1950er Jahren von Heinrich Böll, von dem manche – gewiss nicht alle – der Studenten schon etwas gehört oder gelesen haben. Sie übertragen also den Inhalt von einem Medium, dem Buch, in ein anderes, das Theater. Dabei passieren interessante Verschiebungen zu einem Live-Medium, einem plurimedialen Text, zum Synästhetischen, was regelmäßig dazu führt, dass die Studierenden 1. Theater super spannend finden, 2. durch die Übertragungsarbeit einen ganz neuen Zugang zum Ausgangstext finden und 3. ganz automatisch anfangen zu überlegen, wer denn eigentlich dieser Heinrich Böll war. Und plötzlich sehen sie, dass sie ihre Intention, die sie auf die Bühne bringen wollen, doch tatsächlich am bestem mit dem alten und eigentlich ja wenig coolen Horaz begründen können. Auf diese Weise kriegen wir die Leute da, wo sie sind: alles intensive Mediennutzer, viele mit durchaus medienkritischen, reflektierten Ansätzen. Tatsächlich haben wir vor zwei Jahren in einer Zusammenarbeit mit dem Theater Aachen ein Stück im “Mörgens” aufgeführt. Das Stück haben die Studierenden selbst entworfen, selbst geschrieben, selbst produziert und - als Schauspieler - auch selbst aufgeführt. Eine tolle Sache war das. Diese internet- und computergeprägten Mitglieder der vermeintlichen “Alles-jetzt-und-hier-Generation” wussten nach der Aufführung im “Mörgens” ganz genau, wo Theorie ihnen hilfreich sein kann, was das Wissen um das Epische Theater von Brecht oder die Dramentheorie von Aristoteles ihnen alles bringen kann. Dies ist nur ein Beispiel.
Jahrelang haben wir - ein anderes Beispiel - eine Kooperation mit dem Theater Aachen gehabt und ein komplett neues Konzept für das “Mörgens” entwickelt. Es ging darum, wie man junges Publikum ins Theater ziehen kann und auch solche Leute, die aus privaten oder beruflichen Gründen mit jungen Leuten zu tun haben. Dazu haben wir ein Konzept erarbeitet mit völlig neuer interaktiver Website-Struktur für verschiedene Zielgruppen (junge Leute einerseits, aber auch Eltern oder Pädagogen, Sozialarbeiter, Streetworker, Jugendärzte etc. andererseits), um das “Mörgens” als den Ort zu positionieren, an dem junge Themen verhandelt werden. Und dies aber eben nicht nur für junge Leute, sondern für alle Zielgruppen. Super-Ideen sind dabei entstanden mit kompletten Marketing-Linien, neu und frisch und effektiv. Wir warten eigentlich nur noch darauf, dass es realisiert wird.

Sie machen auch Filmprojekte mit Ihren Studenten. Sind das Computeranimationen?
Nein, es handelt sich um real Gedrehtes mit echten Menschen und echten Bäumen und Räumen. Wir machen z. B. Imagefilme. Derzeit entsteht zum Beispiel - auch ein tolles Projekt - eine Imagefilm für ein hiesiges Gymnasium. Das wird der erste, professionell gemachte und qualitativ sehr hochwertige Imagefilm für ein Gymnasium überhaupt in Deutschland. Das Inda-Gymnasium, mit dem wir hierzu eine Kooperation eingegangen sind, wird das erste Gymnasium in Deutschland sein, welches einen solchen, professionell gemachten Imagefilm haben wird. Im Juni werden Sie ausführliche Presseberichte finden, dann nämlich ist Premiere.

 


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Posted am 18.05.2009, 15:44 in Heimatkunde, Home, Allgemein von Gabor

Emotionale Hüllen für die post-neolithische Revolution

venus

Leider nicht aus Aachen:  6 cm kleine, dicke Frauen aus Elfenbein

Unter dem Lousberg die Akropolis? Könnte man annehmen, ginge es zumindest nach den Verkündungen eingefleischter Lokalpatrioten

„Die Handtasche muss lebendig sein“, forderte einst Aachens leider-nicht-next-Top-OB Bruce Darnell. Tja, warum soll dann eine „geflochtene Stahlkonstruktion mit einem entspiegeltem Glasmantel“ nicht auch Gefühle haben können? Eine „emotionale Hülle“ sei, laut Presse-Info, die „Archäologische Vitrine“, also der käfigartige Pavillon, den die Aachener Architekten Kada Wittfeld für 400.000 Euro rund um Teile der Ausgrabungen im Elisengarten bauen. Und die Aachener „Stadtseiten“ zitieren dazu den OB:„Wenn mir vor 5 Jahren jemand gesagt hätte, wir könnten im Elisengarten 5000 Jahre Aachener Geschichte dokumentieren, nachdem wir zum Teil die Aachener Geschichte neu schreiben mussten, dann hätte ich ihn ausgelacht. So etwas kann keine andere Stadt in Europa zeigen.“
Drama, Baby, aber ist das der Wahrheit? Bisher stritten Cadiz, Argos, Nessebar, Trier, Belgrad u.v.m. um den Titel der ältesten Stadt Europas. Und wenn man nur mal Argos sieht – Junge, da sieht Aachen aber nicht so richtig alt aus gegen. Auch in Trier sieht man mehr Archäologie als in Aachen. Und jetzt hat Aachen alle Mitbewerber überholt?
Markus Pavlovic, archäologischer M.A. und Mitarbeiter des Aachener Stadtarchäologen Andreas Schaub, hält bei unserer Anfrage den Ball angenehm flach. Das Besondere sei zunächst die Aufdeckung einer so großen Fläche im innersten Kernbereich der Stadt. Gewöhnlich sind innerstädtische Ausgrabungen im Rahmen von Bauvorbereitungen zeitlich und räumlich eng begrenzt. Im Elisengarten aber habe man sogar ausgiebig mit Feinwerkzeug arbeiten können. „Mit spektakulären Ergebnissen“, für die Wissenschaft: Funde/Befunde seit der Steinzeit. Eine Lücke bis zur Zeitenwende, doch spätestens mit Beginn der römischen Kaiserzeit lasse sich eine kontinuierliche Besiedlung des Areals vermuten.

Das klingt ja nüchtern und vernünftig. Auf der schwäbischen Alb drehen die Archäologen hingegen lokalpatriotisch seit einigen Jahren richtig durch. Immer wieder teilen dort Wissenschaftler - im Scherz? – der Welt mit, dass sie den Ursprung der Menschheitskultur in den Eiszeithöhlen ihrer Gegend vermuten. Ihr Fund eines Mammutfigürchens und diverser Flöten inspirierte schon 2007 den „Spiegel“ in einer Titelstory zu der Behauptung, die Kunst sei in Deutschland erfunden worden: Mona Lisa, Sphinx, Mickymaus, Documenta-Giraffe – alle stammten letztlich von dem ab, was vor 35000 Jahren auf der Alb geschaffen wurde, auch Beethoven und Mahler hätten dort ihre Wurzeln.
Jetzt wurde dort die angeblich bislang älteste Menschenfigur gefunden, eine 6 cm kleine, dicke Henry-Moore-Frau aus Mammut-Elfenbein, die „nach heutigen Maßstäben an Pornografie grenzt“. Nichtsdestotrotz hält es ihr Entdecker, der Archäologe Nicolas Conard,  weiterhin „durchaus für möglich, dass die Schwaben das erste Kulturvolk der Welt waren und sowohl Musik als auch figürliche Kunst erfunden haben. Womöglich sogar die Religion.“ Aber waren das nicht die Finnen? Oder, halt, die Schweizer? Und wer erfand den Fußball, wenn nicht Aachen?
Silvia Szymanski


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Posted am 22.10.2008, 22:16 in Heimatkunde, Home, Allgemein von metaluna

Bibermanagement im Hürtgenwald

bibermanagement

Heute fand in Düren eine Fachtagung zum Bibermanagement statt.
Hinter diesem lustigen Wort verbirgt sich folgendes:

Im Herbst 1981 wurden im Staatsforst Hürtgenwald 6 Biber ausgesetzt. Die Idylle des Rurtals lud die Tiere prompt dazu ein, ihre Nage-Truppen mal eben auf über 200 Mann zu verstärken.

Bekannterweise verausgaben sich Biber am liebsten in Aktionen wie Baumfällung und Dammbau, wodurch sie ständig neue Lebensräume für andere Tiere schaffen. Das heißt mit anderen Worten Partystimmung im Ökosystem Wald!

Jedoch wo gehobelt bzw. genagt wird, fallen auch Späne. Und so verursachen die Biber, einmal vom Übermut gepackt, auch Schäden an Bäumen und Flußläufen. Und wenn man ein Haus mit Garten in der Nähe hat und in diesem Garten
wächst ein Baum, dann kann es passieren, dass man eines Morgens aus dem Fenster schaut und der Baum weg-gebibert ist.

Da kann man schon mal ausrasten. Damit die Leute aber nicht gleich zu Mistgabeln und Schrotflinten greifen und sich als aufgebrachter Mob auf Biberjagd begeben, plant das Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz jetzt eine
Arbeitsgruppe die die Interessen aller involvierten Spezies gleichermaßen verteten und etwaige Konfliktfälle schlichten soll.

Wenn in den Restaurants rund ums Rurtal bald Bibersteak auf der Karte steht, dann
war die Arbeitsgruppe wohl nicht erfolgreich. Wir drücken allen Beteiligten die Daumen, auf dass es nach den vielen Tiefschlägen, die die Gegend um Hürtgenwald zeitlebends durchmachen mußte, nicht auch noch zu einer “Allerbiberschlacht” kommt.


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Posted am 01.04.2007, 21:04 in Heimatkunde, Home, Allgemein von Hartmut

Juwelen der Baukunst 04.2007

Aachen ist die Welthauptstadt der Pferde, Printen und des Frohsinns. Das weiß jeder. Aber abseits der Hauptverkehrs- und Touristenströme schlummern Bauwerke, die den Vergleich mit den aufwendigen Renommierpalästen der großen Metropolen nicht zu scheuen brauchen. Wie eitel und aufdringlich erscheind die prahlerische Hybris der Petronas Towers in Kuala Lumpur gegen den Ernst und die stille Größe des Verwaltungsgebäudes am Aachener Hauptbahnhof. Und – seien wir ehrlich! – wer würde nicht freudig die aufgekratzte Seelenkälte des sog. „Kurfürstendamms“ gegen den urigen Charme der Krämerstraße tauschen? Wir haben für Sie hier einige der markanten Meilensteine Aachener Baukunst zusammengetragen, die manchmal unspektakulär, aber immer mit höchster Gediegenheit und Raffinesse das Aachener Savoir Vivre in die Welt hinaus tragen Weiter lesen »


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