Der Wahnsinn geht weiter
Gabor Baksay: “Popl Pontifex”, Digitalstift auf Cintiq 21-UX-Tablet, 2008
Baksay hört nicht auf zu zeichnen. Wird jetzt das Internet verstopft? Und wer ist die gesichtslose Person ganz links im Bild?
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Grußwort des Herausgebers
Nachdem wir im Septemberheft nicht einen sondern zwei Nachrufe auf “Christoph Schlingensief” geschrieben haben, gebührt dem großen Sohn Oberhausens konsequenter Weise auch das September-Grußwort.
Herr Schlingensief befindet sich nach den Lehren des Bardo Thödol nunmehr seit drei Wochen im sog. Zwischenzustand, genauer gesagt, im Stadium des Sipai-Bardo, das der erneuten Inkarnation vorausgeht. Wir begaben uns in die Tiefen des Raumes und haben nachgefragt.

Da steht also wieder einmal einer dieser Abende an, für deren besonderen Verve die Raststätte zu Recht einen nahezu einmaligen Ruf in Aachen genießt: BINOCULERS stehen für zart schmelzenden Indie-Pop, live und nur dezent verstärkt auf der nicht vorhandenen Bühne. Berührend und entrückt. Dabei sind es eigentlich doch nur ein paar dezent instrumentierte kleine Songs, die Nadja Rüdebusch auf dem 2009 erschienen Album „Every seaman’s got a favourite spaceship“ zelebriert. Herausragend wird das Ganze dann durch den angenehm unaufdringlichen Gesang, der Gefühl ohne Pathos transportiert, sanfter Folk und flüsternder Pop tun ihr übriges zur Rundumverzauberung. Sie serviert sie dem Raststätten-Publikum das, was es zurecht und sehnsüchtig erwartet: Große Geste auf keiner Bühne, und das zum herrlich kleinen Preis. Unschlagbar. (ab)
Samstag | 18. September | 20 Uhr | Raststätte

Gabor Baksay: “Popl Pontifex”, Digitalstift auf Cintiq 21-UX-Tablet, 2008
Baksay hört nicht auf zu zeichnen. Wird jetzt das Internet verstopft? Und wer ist die gesichtslose Person ganz links im Bild?
Gabor Baksay: “Die Mutter von Martin Kippenberger”, Grafiktablett auf Computer, 2008
Derartig ungewöhnliche Zeichnungen gelingen nur mit erstklassigem Equipment
Baksay sitzt erschöpft an seinem Schreibtisch. Mehrere Stunden hat er an einem Stück gezeichnet. “Allein an den Haaren sitzt man ewig.” Trotz Totalerschöpfung ist die Befriedigung aber enorm. “Solche Zeichnungen musste ich bisher immer umständlich als Großformat mit Öl auf Leinwand machen. Jetzt geht das auch bequem auf dem Computer.” Der stolze Besitzerblick streift zärtlich sein nagelneues Cintiq 21 UX Grafiktablet von Wacom: “Zwei Mille sind kein Cent zuviel”, freut sich Baksay, “man kann auf dem Ding direkt auf der Glasplatte zeichnen und muss nicht, wie bei normalen Tabletts dauernd zwischen Bildschirm und Zeichenunterlage hin und her peilen. So entsteht ein Linienschwung von bisher nie gekannter Perfektion.” “Wird sich jetzt alles verändern”, fragen wir erschüttert. Baksay richtet den Blick aufwärts in grenzenlose Weiten: “Verändern? Guter Mann, ALLES wird sich verändern! Ich habe soeben dieVorherrschaft der deutschen Kunst für die nächsten 100 Jahre gesichert. Das gebe ich Ihnen gerne schriftlich”
„Nijinskiys Tagebuch“ im Theater Aachen demonstriert, wie sich das Kleine Fritzchen den Wahnsinn vorstellt.
Die Ungarn, manchmal ein recht einfältiges Völkchen, sprechen, wenn sie den Wahnsinn beschreiben wollen, davon, dass jemand „Auf der Deckenlampe schaukelt“ (A lámpán hintázik)
Die Inszenierung des Wahnsinns im Theater Aachen bei der gestern uraufgeführten Oper „Nijinskys Tagebuch“ beschreibt den aufkeimenden Wahnsinn Nijinskiys auf genau diesem Niveau. Kaum ein Tönchen entweicht den Schauspieler- und TänzerInnenlippen ohne dass diese sich dabei hundserbärmlich verrenken und verbiegen müssen. Sämtliche Elementarübungen des Bodenturnens werden durcherxerziert, um zu verdeutlichen, dass da jemand dabei ist, über zu schnappen. Da die ganze Kopfsteherei, Verbieger- und Verenkerei anscheinend nicht ausreicht, die Gedankenarmut dieser Inszenierung zum Ausdruck zu bringen, wird auch noch vehement die Wunderwaffe des uninspirierten Theaterspielens, das sog. Herumbrüllen, in Stellung gebracht. Dabei ist die Musik ganz ordentlich. Detlev Glanert komponiert unaufgeregt zeitgenössisch und im Gegensatz zur überbordenden Ideenlosigkeit der Inszenierung, angenehm trocken. Seine musikalische Illustration des langsam aber sicher durchdrehenden Nijinsky besteht aus einer kaum hörbaren 4tel-Tonverschiebung des Leitmotivs. Besser kann man den wahrhaft sensationell guten Text des titelgebenden Tagebuchs kaum unterstützen. Nijinski, Startänzer aus Diagilevs „Ballet Russe“ und erster Popstar der gerade entstehenden Moderne schrieb 1919 in seinem Tagebuch die allerzartesten Zeilen auf, wie es nur die restlos Durchgeknallte können. „Meine Frau schläft neben mir, und ich schreibe. Meine Frau schläft nicht.“ Lakonisch geht es dieser unserer Realität an den Kragen. „Mein Kopf ist fest, und in meinem Kopf ist auch alles fest.“ Leider darf man diesen von einer klugen, schönen Musik umschmeichelten Text, der nichts anderes will, als mit sich selbst niederzukommen, nicht genießen. Daran hindert einen das viel zu viel an Ambition: „Die sechs Darsteller haben Aufgabenbereiche, die die übliche Norm ignorieren: Sänger und Tänzer müssen auch sprechen…“ Hätten sie es doch bloß nicht getan. Wenn diese Tänzer radebrechen friert die Hölle zu. Oh, hätten sie doch nur geschwiegen! So wird leider nur „auf der Lampe geschaukelt.“
Gabor Baksay
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Das MOVIEbeta folgt von jeher der psychologischen Theorie des radikalen Konstruktivismus, will heißen, Wirklichkeit kann und ist immer eine subjektiv empfundene Wahrheit. Nur so kann MOVIEbeta die vielen kleinen Schreiberlein bei Laune halten, die ihre Wirklichkeit Monat für Monat todesmutig in unserem Printprodukt der Öffentlichkeit zugänglich machen. Doch bitterböse Gefühlsterroristen, die immer noch dem völlig veralteten Glauben anheim fallen, es gäbe eine einzige Wirklichkeit, und zwar die ihrige, haben sich unbemerkt des Nachts in die MOVIEbeta-Zentrale geschlichen und untergraben böswillig und hundsgemein die Unternehmensphilosophie, indem sie neueste Motivationstheorien in das Geschehen integrieren, die auf dem Prinzip der “unangenehmen Wahrheit” beruhen. Eine bedenkliche Entwicklung..
Vor langer Zeit ausgestorbene Außerirdische gratulieren dem Movie zum Geburtstag!
Im Zuge intensiver Recherchen ist endlich der Beweis gelungen, dass schon jene höheren Wesen, die vor vielen Millionen Jahren die Alpen errichtet haben, dem Movie im Vorhinein zum Jubiläum gratulierten. Belegen lässt sich dies an genauem Kartenmaterial zu den nördlichen Flysch- und Kalkalpen, wie es in jeder zeitgemäßen Bildungbürgerkartenschublade zu finden sein dürfte.
Verbindet man auf einer Karte, die den alpinen Karst auf dem Gottesackerplateau in den Allgäuer Alpen wiedergibt, willkürlich einige Punkte mit dem Lineal, dann tritt deutlich der Schriftzug “25 Jahre Movie” hervor: Weiter lesen »
Alter Industrieadel: Den Gebrüdern Pützmann gehört halb Merkstein
6.9.2007 Nur noch wenige Wochen bis zum 25-jährigen Movie-Jubiläum. Die Ereignisse überschlagen sich. Um 9.30 Uhr erhielt die Marketingabteilung einen Anruf aus Merkstein. Isabel Mindner starrt ungläubig auf den Telefonhörer. “Die Gebrüder Pützmann haben soeben durchblicken lassen, dass sie demnächst im Movie vielleicht eine Werbung schalten wollen!” DIE Pützmanns??!!!“, staunt die Redaktion unisono. Der spontan dargebotene Freudentanz bringt das kleine Büro zum kochen.„Der Familie Pützmann gehört halb Merkstein!” freut sich Mindner, “alter Industrieadel aus dem Braunkohletagebau. An die ist ganz schwer ran zu kommen – und jetzt rufen die von selber an und fragen nach einer Anzeigenpreisliste! Unglaublich!“ Mit strahlenden Augen gießt sich Mindner einen weiteren Piccolo ein.„ Jetzt gilt es vor allem, Ruhe zu bewahren“, dämpft Herausgeber Gabor Baksay die übergeschnappte Stimmung, “Soviel ich weiß macht die Pützmann AG ihr Geld doch mit Textilfiltersäcken. Passen denn solche Filtersackanzeigen zum Konzept des Movie?” “Nein, nein!”, widerspricht Minder, “Die Filtersacktage sind bei denen lange passée. Die machen jetzt fett in Zahnseide. Dass passt ja wohl wie Topf auf Deckel auf die Bedürfnisse unserer Zielgruppe.” “Stimmt“, bestätigt Baksay, „unsere gebildete, gesundheitsbewusste, besserverdienende Leserschaft interessiert sich massiv für Zahnseide.”
Der Pützmann-Effekt: Wir wollen auch im Movie Werben!
“Ok, wer schreibt was über Zahnseide?”, fragt, nun endgültig auf Touren kommend, Baksay, “Das muss Silvia machen! Die kann sowas. Außerdem kommt Zahnseide noch ins Intro. Der Kunde soll für seine Werbung ein adäquates redaktionelles Umfeld vorfinden. Zahnseide passt übrigens hervorragend in diese geplanten Dinner-for-two-Intro-Gespräche. Und dann die Rinderlunge nicht vergessen! Irgendwas erfinden wie: „Mein Sittich strangulierte sich mit Zahnseide (natürlich nicht Pützmanns) in die er sich beim onanieren verheddert hat.”„Wir sollten den Pützmanns eine Gratis-Gestaltung anbieten. Am besten mit Markus-Jansen-Touch: federleicht monochrome Farbräume, dynamische Linienführung… Das muss edel werden, SUPERedel!“„Wenn die Pützmanns schalten, haben wir bald sämtliche Eifelfirmen im Blatt, seufzt Baksay, „sowas wirkt oft wie ein Dammbruch.“Heiß klopfen die Herzen… (gb)
Herausgeber Baksay veranschaulicht seine Pläne für die nächste Dekade in einer aufschlussreichen Infografik
Aachen Eilendorf, 5.9.2007 In einer improvisierten Pressekonferenz präsentierte Movie Herausgeber Gabor Baksay der interessierten Öffentlichkeit, seine Pläne für das Movie der nächsten Dekaden. „Das 25-jährige Jubiläum naht mit riesen Schritten heran, da wollen wir schließlich auch was gehaltvolles präsentieren“, begründet Baksay seine Vorgehensweise. Warum er seinen Schlachtplan in Form einer Zeichnung notiert hat und nicht, wie in der Geschäftswelt üblich, in einem Thesenpapier, wusste er ebenfalls zu begründen: „Das menschliche Gehirn ist gerade mal mit Mühe in der Lage, einige wenige Buchstaben pro Sekunde zu dechiffrieren. Dagegen ist es zumindest für die rechte Hemisphäre des menschlichen Denkorgans ein Klacks, ganze Schlachtengemälde oder religiöse Darstellungen mit einem Blick zu erfassen.“Außerdem sei das Movie erwiesener Maßen ein visuelles Medium, die Texte seien, spätestens nach dem Weggang des Chefredakteurs Heil, lediglich Beiwerk. Dies werde sich in Zukunft sogar noch weiter in Richtung Video, Audio und 3-D-Animationen, verschieben, die auf der geplanten Website das geschriebene Wort noch mehr, geradezu bis zur Unkenntlichkeit in den Hintergrund zu drängen beabsichtigen. Der Launch-Termin für „Moviebeta.de“ steht jedenfalls unumstößlich fest: August, oder vielleicht September diesen Jahres, aber ganz bestimmt Oktober 2009. „Die Analphabetisierung der Gesellschaft“, so Baksay, „muss zügig voran getrieben werden.“ Außerdem reduziere sich die Anzahl ärgerlicher Tippfehler durch weglassen von Textbausteinen um einiges, gelang es Baksay, überzeugend dar zu legen.Ebenso energisch sei eine signifikante Steigerung der Werbeeinnahmen nicht nur vorgesehen, sondern sogar fest eingeplant. Dies könne man den kleinen Kreisen im oberen Bereich der Grafik entnehmen. Trotzdem sei es unabdingbar, rundete der beliebte Herausgeber seine Ausführungen mit rhetorischem Geschick ab, dass man bei aller Deutlichkeit, sich auch ein gewisses Maß an Unbestimmtheit vorbehalten solle, denn: „Die Konkurrenz schläft nicht“, schloss Baksay ein wenig geheimnisvoll und verweigerte beim Hinausgehen die Beantwortung aller weiteren Fragen. (Nach Diktat verreist: gb)
Das Fachwerkhaus des Herrn. S.: Mahnmahl des ungesühnten Preisrätselverbrechens
Verfügt man über ausreichend Oberschenkelmuskulatur, um die Anhöhen des idyllisch im Rurtalkessel schlummernden Städtchens zu erklimmen, wird man mit einem atemberaubenden Blick über die pittoreske Verwinkeltheit erstklassiger Fachwerkromantik belohnt. Angenehm ist es, ein Eichendorff-Heinrich Heine-Bändchen dabei zu haben, um die Zeitreise in die Welt der Burgfräulein und Bächlein möglichst multimedial zu erleben.Allerdings sollte man sich darauf einstellen, sich von den Wurzeln des Waldes ernähren zu müssen, denn Monschau selbst liegt völlig in der Hand einer Biskinbesessenen Jägerschnitzelmafia. Hierdurch wird dem hungrigen Besucher die Erfahrung geschenkt, niemals einem Esslokal zu trauen, das den Bestandteil „Stübchen“ oder „Mühle“ im Namen führt – es sei denn man unterliegt dem Irrglauben, das Verspeisen von Fleischklopsen, irgendwo in den Untiefen sämiger Sahnesoße untergetaucht, sei erstrebenswert. Weiter lesen »
Das Movie Intro: Visionäre Ideenschmiede und gleichzeitig Dinner for Two
Das Movie ist schon lange Fan des exquisiten Top Magazins. Erstens mögen wir es, wenn’s schön fett glänzt und schimmert, und zweitens beneiden wir schon lange die TOP-Magazin-Reporter, die ihre Interviews traditionell in der Edelgastronomie bei Kohlibri zelebrieren. Bei Rucolablättern an Gemüsetartare lässt es sich eben höchst angenehm und angeregt plaudern. Also, warum nicht sich die gute Idee „ausborgen“ und die nächsten Intro-Themen im Verwöhnambiente gehobener Gastlichkeit besprechen?Die bange Frage lautet nur, werden wir auch eingeladen?Wenn wir nämlich für die Gaumenfreuden mit schnödem Mammon zahlen müssen und nicht mit unserer Werbepower, nimmt das der Idee einen entscheidenden Teilihrer Vorzüglichkeit.Was, wenn wir von Etablissements wie dem „Le petit Papillon“ nicht frei gehalten werden? Müssen wir dann auf erklärte Movie-Supporter wie,sagen wir mal, das „Dschingis Chan“ ausweichen? Schließlich gibt es dort auch deliziöse, wie Picassoskulpturen gestaltete Salate. Überhaupt wacht die Maitresse de la Maison diskret, aber mit Argusaugen über die stilvolle Ausgestaltungihrer kulinarischen Kompositionen. Das Problem ist nur: so eine Salatkreation kostet im Dschingis Chan in der Regel keine 15 Euro. Ist also für unsere Zwecke eigentlich nicht teuer genug.Wo also wird das Movie speisen? Wie wird es munden? Was alles wird beim Dinieren entschieden?Diese und andere packende Fragen beantwortet demnächst unsere Oktoberausgabe, wie gewohnt überall dort ausliegend, wo gehobene Lebensart zu Hause ist.Was aber in dieser, Ihnen vor Augen liegenden Ausgabe steht, sei allen, die zu unterbelichtet sind, selbst nachzusehen, auch verraten:Herausgeber Baksay erfüllt sich endlich seinen lang gehegten Traum, die Euregio systematisch im Leserauftrag zu bereisen (S.4-6), Hartmut Heil, endlich frei und leicht nach seiner Pensionierung, warf ein superlässig handgemachtes Meisterstückchen wie ’ne Kusshand in das Heft (S.42-43) und kickt mit dieser Witzvorlage das Movie endgültig in die Satire-Bundesliga, während Christoph Blümer, beflügelt vom Erfolg seines im letzten Heft gepflanzten zarten Gewächses namens „Grüne Seite“, diese bereits in einem Monat auf satte 3 Seiten ausgedehnt (S. 39-41) hat. Und endlich können wir das wohlvorbereitete Movie-Debut des Trash-Connaisseurs Alex Klotz berichten, der seine Gruselkolumnen mit einer Nachlese des Fantasy Filmfestes begründet. Mortizia Adams muss diesmal ihren Bericht über eines ihrer eigenen Konzerte leider ohne Foto ins Poesiealbum kleben, weil ihr Handy es partout nicht ausspucken wollte. Ansonsten ist aber eigentlich alles in Butter.Herzlichst,Ihr Movie-Intro-Team Szymanski & Baksay
Das gibt es nur in der Euregio: Durchgeknallte ChinesenLiang Shuo - installatie ‘Letter to my lover and letter to my wife’ (2005)In Zeiten, in denen die Kultur in Aachen auf liebenswerte Weise immer harmloser und Familienfreundlicher wird – wann kommt endlich Ponyreiten im Lufo? – machen Initiativen und Institutionen in der unmittelbaren Umgebung einfach weiter mit dem Wahren, Guten und Schönen. Het Domein und das z33 in Sittard und Hasselt sind z.B. schon lange sehr wahr und sehr gut. Weil davon hierzulande kein Mensch etwas erfährt, ebenso wenig wie vom Marres in Maastricht, dem excellenten Jugendclub Belge in Hasselt, vielleicht ist gerade mal das stilvoll besoffene Spirit of 66 in Verviers dem ein oder anderen bekannt (weil da mal der ex Pornostar Candy Cane gespielt hat) haben wir im Movie ab sofort eine neue Lebensaufgabe: und zwar diese kulturellen Hot Spots systematisch zu bereisen und darüber zu reden.In der September-Ausgabe beginnen wir, weil sie so schön ist, mit der Kunst. Der erste Blick ins Internet verspricht gleich ein paar Volltreffer. Het Domein zeigt unter dem schönen Namen „Chinergie“ eine „ China Summershow“ . Das man es hier nicht mit irgendwelchen Gemälden aus dem Dunstkreis der gerade dem sozialistischem Realismus entkommenen Westkunst-Imitate zu tun bekommt, sondern mit waschechter Asia-Avantgarde, dafür sorgt der Direktor Stijn Huijts. Der hat das kleine Örtchen Sittard in den letzten Jahren rasant an die Spitze des aktuellen Kunstgeschehen katapultiert. Statt jetzt die vielen Künstlernamen auf zu zählen, die sowieso kein Mensch kennt oder aussprechen kann, tanken wir lieber voll – oder sagen wir, halb voll – Sittard liegt ja schließlich um die Ecke, leeren so gut es geht, das Hirn und drücken aufs Gas.Vorher geht es aber noch ins etwas weiter entfernte Hasselt, weil es da 1. den besten Zeitungsladen der Welt gibt und im z33 die Ausstellung zweier völlig durchgeknallter Designer mit unverhohlenem Kerzenfetischismus lockt, auf die länger als unbedingt nötig, zu warten, eine unzumutbare Härte bedeutet.
Nicht erwarten können: Designer mit Kerzenfetisch in Haselt
Natürlich vergessen wir bei unserer kleinen Reise das Dorade für Outdoorgestylte Typ-2-Diabetiker nicht: das schnuckelige Monschau. Die wenigsten wissen, dass es dort auch eine Sahneschnitzelfreie Zone gibt, nämlich das Kunstzentrum KuK, das diverse Ateliers für Künstler beherbergt, die zumindest teilweise, der Moderne durchaus zugetan sind. Ob das mehr die moderne der 70er, 60er oder gar der 90er Jahre sein wird ist noch unklar. Wenn man die Internet-Atelierliste liest, beginnt man sich nachdenklich doch ein wenig die 1001 Chinesen von Ai Weiwei ins Eifelstädtchen zu wünschen.Aber nur keine voreiligen Schlüsse. Wir werden berichten. (gb)