Negermusik

versuchen, sie nicht wieder mit dem ewig gleichen Rezensionsgeschwafel zu behelligen, sondern sich ein wenig Mühe geben. Vielleicht lässt sich so eine Rezension zur Abwechslung ja auch, sagen wir mal, tanzen?
Zu den produktiven Gebrechen des Ü-50-Rezensenten gehören die gehäuft auftretenden Lesefehler beim schnellen Erfassen eines Textes. Neben beachtlichem Heiterkeitsgewinn (die meisten Lesefehler sind pornographischen Inhalts) bieten sie zusätzlich wertvolle Beiträge zur Lebenshilfe. So geschehen bei der vorbereitenden Lektüre zum Magdanz/Mohren-Themenkomplex. Dort gab es in einem Interview in Band 190 des Kunstforums folgenden Satz zu lesen: „Sie [Oliver Zybock] haben seit 1999 den Lehrstuhl für Negermusik inne.“ Tatsächlich stand aber nicht dies da, sondern: „Sie haben seit 1999 den Lehrstuhl für Neugermanistik inne.“ Die Anhänger von Freuds „Psychopathologie des Alltagslebens“ wissen, dass solche Fehlleistungen niemals zufällig sind und außerdem wertvolle Hinweise auf im Verborgenen schlummernde Wahrheiten und Einsichten liefern. Nun entsprach es, angesichts des sich imposant auftürmenden Stapels an Sekundärliteratur, tatsächlich einer tiefen, nicht ganz eingestandenen Wahrheit, dass ich, statt meinen Recherchepflichten nach zu gehen, mich lieber heißer Negermusik hingegeben hätte. Die zweite Wahrheit ist: Wenn der Sinn der Kunst darin besteht, die Diktatur des Common Sense zu attakieren, dann ist diese Methode legasthenisch transformierter Semantik die genau richtige Vorgehensweise nicht nur in der Produktion von Kunstwerken, sondern auch in der Herstellung bedeutender Rezensionen. Weiter lesen »
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