Thomas Bortfeldt als Wille und Vorstellung

Thomas Bortfeldt, arbeitet an einer malerischen Welt nach seinem Willen und seiner Vorstellung. Wie in einem Laboratorium gibt es Versuchsreihen hinter Glas mit Pantoffeltierchen und Protuberanzen – mit malerischen Molekülen unter dem Elektronenmikroskop. Dem gläsernen Objektträger erwachsen erfundene Formen als ob sie lebten. Was da wuchert und wimmelt ist Organisches so gut wie Gasförmiges, sind Protozoen und Plankton aus dem Morast der Ursuppe, zyanblaue Bazillen oder purpurfarbene Blutkörperchen - hybride Wesen aus Bortfeldts eigener Züchtung; Manganknollen, Stechäpfel, seltsame Vasen und‚“Fund-Gefäße“, die an Nabelschnüren hängen, Brocken von Sedimentgestein oder von Himmelskörpern und planetare Phantasmagorien – hier sind ungezählte Metamorphosen zu entdecken, mühelose Übergänge vom Unbelebten zum Belebten, vom Biologisch-Organischen, vom Vegetabilen zum Technoiden.
Auch Zeit-und Bedeutungsebenen verschwimmen im schlickfarbenen Grund des geschichteten Glases, es wird angedeutet und gleichzeitig verschlüsselt, offen sichtbar gemacht und doch verklärt. Alles, was da wächst, wird einem künstlerischen Stoffwechsel unterzogen, einer Transformation ins Artifizielle und Rätselhafte.
Aber die malerische Geste schlägt nie um in ein falsches Pathos. Dafür ist Bortfeldt viel zu spielerisch, zu schillernd. Malt kleine Kritzeleien in seine Bilder hinein, um das Düstere zu brechen. Und obwohl seine Bildtitel mitunter geheimnisvoll raunen – seine Kunst ist weit entfernt vom Mythomanischen eines Neo Rauch, sondern überlässt sich bisweilen auch einem hintergründigen Witz und einer unerwarteten Leichtigkeit. Er verspricht uns in Titeln „Augentrost“, „Seltsame Begegnungen“, „Merkwürdige Rezepte“ und „Versuche im Wald“, er erfindet Wesen wie „Gelblinge“, „Dreigrazlinge“ und „Rote Windknoten“, führt uns den Gebrauch von Wünschelruten und Metalldetektoren vor oder versenkt einen Kessel Grau-Schwarzes in florale Arabesken und „morphische Reihen“. Diese Bilder haben etwas sehr Eigenes, sehr Eigenartiges. In ihrem Eigensinn bleiben sie sich selbst ein Rätsel.
Helga Scholl
Seit 1990 lebt und arbeitet der 1955 geborene Maler in Aachen und Belgien; sein Arbeitsraum ist im Atelierhaus Aachen. Seine aktuelle Ausstellung unter dem Titel: „Bilder“ im Forum für Kunst und Kultur im Eurode-Bahnhof, Bahnhofstr. 15, 52134 Herzogenrath
17.1. – 28.2.2010
dienstags bis sonntags von 15 bis 18 Uhr geöffnet (feiertags geschlossen).
www.forum-herzogenrath.eu


