Lehmkötter und das bittersüße Geheimnis der Krauses 5/43 Millionen
Ein kriminal-erotischer Fortsetzungsroman in etlichen Teilen. Von Jo Siemon
Was bisher geschah: (grob)
Singe den Zorn, o Göttin, des Peleiaden Achilleus,
Ihn, der entbrannt den Achaiern unnennbaren Jammer erregte,
Und viel tapfere Seelen der Heldensöhne zum Aïs
Sendete, aber sie selbst zum Raub darstellte den Hunden o.s.ä
Teil Fünf (wahlweise auch Senf, Hanf oder Genf)
Dr. Carl Bindestrich Nepumuk Ücke„-“Berger war tief in seinem knautschledernen Sofa versunken, als Heinz Schenk die Praxis des Starpsychiaters betrat. „Ei Gude Doc! Zwa Fund Seele-Fango un e halb Stund Glückszentrumsakkubunkdur, wann isch bidde derf!“
Ücke„-“Berger lächelte nichtssagend und drückte auf den Knopf der Fernbedienung, die er stets bei sich trug, woraufhin er gänzlich von dem Sitzmöbel verschluckt wurde. Einen Moment später trat er aus der Tür eines Kleiderschranks wieder hervor. Natürlich hatte er sofort durchschaut, dass sich hinter der hessischen Fassade niemand anderes als sein Stammkunde Rolf Mendelsohn Lehmkötter verbarg. Dieser hatte es sich zur Gewohnheit gemacht, ihn, den Psychiater von Weltruhm, mit diversen Maskeraden und Narreteien auf die Probe zu stellen. Doch diesmal hatte er ihn ausgetrickst. Lehmkötter alias Schenk zeigte sich tatsächlich beeindruckt. „Alder Schwed, dollär Trick!“ - „Lehmkötter, hören Sie auf zu hesseln. Ich habe ihren Mumpitz durchschaut. Wie kann ich Ihnen helfen?“
Lehmkötter, der sich seine Eingangsniederlage eingestehen musste, berichtete also von dem Traum, der ihn im Delirium heimgesucht hatte. Der Psychiater hörte ihm lange schweigend zu. Dann wurde er wieder wach. „Tja Lehmkötter, ganz klare Sache: hexo-lumbial-neutronische Insuffizienz vierten Grades. Der Traum hat nichts weiter zu bedeuten. Sie sind einfach nur meschugge. Gehören ins Heim. Aber wer gehört das nicht!? So gesehen sind Sie völlig normal und verschwenden hier nur meine kostbare Zeit. Ich schicke Ihnen die Rechnung in den nächsten Tagen zu. Guten Tag!“
Noch bevor Lehmkötter den Raum verlassen hatte, hörte er, wie Ücke„-“Berger in die Gegensprechanlage säuselte: „Frollein, bitte verbinden Sie mich schleunigst mit Herrn Heil und besorgen Sie mir doch bitte noch ein Fläschchen Granatapfelsaftschorle… Danke!
Als Ücke„-“Bergers Sekretärin daraufhin die Praxis verließ, heftete sich Lehmkötter an ihre Fersen. Bis zu dem entsetzlichen Tod seiner Frau Mutter war ihm Granatapfelsaftschorle gänzlich unbekannt gewesen. Dann hatte er eine zerbrochene Flasche dieses Gebräus neben den Überresten der Mutterleiche gefunden und nun das. Hing da was zusammen?
Die Sekretärin wechselte nach einer Weile die Straßenseite und ging zu einem Taxistand hinüber. Jetzt hieß es: Spitz pass auf!
Er hielt sich dicht hinter ihr und so standen sie schließlich beide nebeneinander an besagtem Taxistand. Der Händler, offenbar südländischer Herkunft, machte einen eher zwielichtigen Eindruck, aber die Auswahl war wirklich nicht übel. Matchbox-Taxis, Playmobil-Taxis, winzige Rickschas, sogar ein in taxi-beige lackiertes Kett-Car türmten sich auf, neben und unter dem Tapeziertisch des Trödlers. Nach einigem Hin und Her entschied sich die Sekretärin für das Kett-Car, zahlte und fuhr flott davon. Lehmkötter hatte alle Mühe zu folgen, bis ihm das Glück in Form eines Elektro-Rollstuhlfahrers zur Hilfe kam. Ohne zu zögern noch um Erlaubnis zu bitten, klemmte er sich auf den Sitz vor den Beinamputierten und zischte: „Folgen Sie diesem Kett-Car!“

