Großer Beatle Konzertabend

hammer zeichnung

Zeichnung: Gabor Baksay

Da hat man es soeben noch geschafft, der Zappanale zu entrinnen, sitzt beschaulich beim dritten Campari und der Lektüre der Zeit in einer dieser Fischbuden am verregneten Strand – denn was anderes als saufend lesen kann man in diesem Kaff nicht unternehmen, es sei denn, man steht auf “Nordic-Walking-Schnupperkursen”, da dröhnt es einem von einer wild gewordenen PA unangenehmst in den Kopf. An “Veronika, der Lenz ist da” wollte ich mich jetzt eigentlich nicht unbeding in Stadiunlautsärke erfreuen. Ebenso wenig am nun wirklich zur Genüge bekannten Zither-Thema von Der 3. Mann oder einer rhythmisch verschleppten Darbietung von If I had a hammer. Zwangsläufig die Zeitung weglegend, blieb mir nichts anderes übrig, als entnervt nach dem Rechten zu sehen. Ach so, es handelte sich um die Vorgruppe der “Großen Beatle Nacht” (stand tatsächlich so auf dem Plakat: “Große Beatle Nacht”). Diese nudelte das, was die “Touristik-Service-Kühlungsborn GmbH” für die musikalischen Highlights der 10-er, 20-er. 30-er, 40-er, 50-er und teilweise auch der 60-er Jahre des vorigen Jahrhunderts hielt, gnadenlos rauf und runter. Wie bei solchen Veranstaltungen üblich, ging es ausschließlich um die Frage “Erkennen Sie die Melodie” d.h., es kamen nur Musikbeiträge zur Aufführung, die jeder Depp in seinem Leben schon bis zum Erbrechen oft gehört hat und somit auch “erkennen” konnte. Dieses Melodienerkennen scheint für zwei Drittel der Menscheit unabdingbare Voraussetzung für Musikgenuss zu sein, denn sobald eine Melodie erkannt war, wurde das mit wildem seitwärts Nicken der Urlauberhäupter und im schlimmeren Fall durch Mitklatschen zum Ausdruck gebracht. So musste man dann auch noch durch die von jedem blitzartig erkannte “Alexis-Sorbas”-Melodie durch. Wahrscheinlich wussten diese Idioten (“Jetzt klatschen!”) nicht einmal, dass der automatisch zu der Melodie assoziierte Sirtaki gar kein griechischer Volkstanz ist, sondern von den Produzenten extra für den Film erfunden, will sagen, “creiert” wurde, weil die PR-Abteilung des Studios offenbar der Meinung war, der Pentosalis sei für die Leute – weil fünftaktig – zu kompliziert. Es wäre übertrieben, zu behaupten, mit der Beatle-Coverband Frankie goes to Liverpool irgendetwas besser geworden. Die bei I wanna hold Your Hand mit freudiger Überraschung erblickten Tatoos auf einem Frauenbein erwiesen sich beim zweiten Hinsehen leider nur als Krampfadern. Außerdem beschränkte sich das Repertoire der Band zu offensichtlich auf die ungebrochene Teenybopper-Frühphase des Beatle zwischen 1962 und 1965. Nix da Revolver oder wenigstens Rubber Soul, nur She loves You und Yeah, Yeah, Yeah oder wie wir Ossis sagen: Jöh, Jöh, Jöh.
Man, If I only had a Hammer! (gb)

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