Lehmkötter und das bittersüße Geheimnis der Krauses

Ein kriminal-erotischer Fortsetzungsroman in etlichen Teilen. Von Jo Siemon

Teil 1

Die Hortensien waren noch nicht ganz welk, als Lady Krause, benommen von der feuchten Schwüle der mählich eindringenden Nacht, sein Zwiebeltürmchen betrat. „Scheiße!“ entfuhr es ihm. Ein eben frisch abgezwackter Dickerzehnagel segelte in einer perfekten Hyperbel durch den Raum und stak nun im linken Auge des ehemaligen Korvettenkapitäns und Träger des Ordens Aznavour Des Ramponages, Rolf Mendelsohn Lehmkötter. Brüsk trat er einen Schemel zur Seite, schritt wankend aber erhaben zur Tür und bedeckte Lady Krauses Hand mit seinen heißen Nüssen. Ein Fehler, wie sich alsbald herausstellen sollte…
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Rückblende. Delmenhorst im Frühjahr 1979 :
Ein blassgrüner Ford Taunus passiert mit hohem Tempo das Portal von Schloss Krause und übersieht die vierjährige Führerin eines Hüpfballes. Ein Fehler, wie sich alsbald herausstellen sollte…

Nachdem sie sich ausgiebig die Hände gewaschen hatte, konnte Lady Krause nicht mehr länger an sich halten: „Nun Lehmkötter, haben Sie etwas herausfinden können? Ist es so, wie man mir zutrug? Wurde ER dafür bezahlt? Wer waren die Auftraggeber? Handelte es sich zweifelsfrei um einen Anschlag?“, sprudelte es aus ihr heraus.
Der Ex-Militär und jetzige Privatermittler sog schmatzend an seiner Meerschaumpfeife. „Ja – nein – eventuell – keine Ahnung – jein.“
Seine klaren, messerscharfen Worte trafen sie mit einer solchen Wucht, dass sie sich auf dem nächstbesten Chaiselongue ausstreckte und nach Luft schnappte. Er beugte sich tief über sie und öffnete mit virtuosem Geschick Knopf für Knopf ihrer safran-mauve karierten Tweedbluse. „Ja – nein – eventuell – keine Ahnung – jein“ raunte er immer wieder in ihr errötetes Ohr, in dem es zu schrillen schien. Mit einem einzigen Griff seiner Hand nahm er den Hörer ab: „Lehmkötter, Private Ermittlungen aller Art, was kann ich für Sie tun?… Ach Mutti… hm …hmm …hmm …äh …hmmm … ja …hmmm …dochdoch …hmmhmm …ja gut!“ Als er auflegte wirkte er noch nachdenklicher als zuvor. Was konnte einen Mann seines Kalibers mirnichts-dirnichts in einen grübelnden Kretin verwandeln? Hatte es gar mit ihrem Fall zu tun? Nein, so vermessen durfte sie nicht sein! Lehmkötter wandte ihr den Rücken zu, entnahm einem Setzkasten drei Flummis und begann mit ihnen zu jonglieren. „Lady Krause, ich will Ihnen nichts vorgaukeln. Das war meine Mutter. Sie hat etwas Ihren Fall betreffendes herausfinden können… Ich muss sofort los… Ich muss…“ Als er sich umdrehte, waren ein paar gefütterte Wildleder-Fäustlinge alles, was sie noch am Leibe trug. Ein wildes, bebendes Pochen ließ sein riesiges, hartes Türblatt erbeben. „Junge, mach sofort die Türe auf. Ich habe schlechte Neuigkrrrarrghl….“ Wenig später kroch ein roter Rinnsal durch die Türritze.


FORTSETZUNG FOLGT

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