(Ein kriminal-erotischer Fortsetzungsroman in etlichen Teilen. Von Jo Siemon) Teil 7.0
Was war denn nun bisher passiert?
In anaginne uuas uuort inti thaz uuort uuas mit gote inti got selbo uuas thaz uuort (Bruce Low)
Und nun weiter im Text: Lehmkötter saß auf dem Chaiselongue in seinem geliebten Zwiebeltürmchen und schmauchte ein Pfeifchen. Nicht zum ersten Mal in seinem Leben war alles schiefgegangen. Er hatte sich von einer kettcarfahrenden Tippse abhängen lassen. Trotzdem schien der Besuch bei Dr. Ücke-Berger nicht ganz vergebens gewesen zu sein. Denn der Mann von dem sich Lehmkötter ursprünglich Hilfe bezüglich seiner hanebüchenen Psyche versprochen hatte, benahm sich nun selbst äußerst popäußerst, das musste man schon sagen. Zudem hatte er sich gegenüber Lehmkötter als der einzig bekannte Mensch entpuppifiziert, der Granatapfelsaftschorle konsumierte. Zufall? Wohl kaum!
Beifall? Wohl käumer!
Abfall? Mitnichten!
Anfall? Ts ts ts!
Unfall?… Er musste an Lady Krause denken. Seit dem Vorfall mit der verdampften Mutter war sie von der Bildfläche verschwunden. Die verschmurgelte Mama, die Granatapfelsaftschorlenflasche, Lady Krause, der Unfall in Delmenhorst, der seltsame Psychiater… Alles war miteinander verwoben. Aus der Bibliothek nebenan drang das leise Klappern des Fernschreibers. Wer kabelte denn noch zu dieser Zeit? Er ging hinüber und sah auf die Nachricht:
BIN IN PREKÄRER LAGE STOP HILFE STOP LADY K. ENDE
Lehmkötter zögerte keine Sekunde. Er eilte hinaus auf den Flur, schwang sich mit dem Hinterteil und der Geschmeidigkeit eines Perlhuhns auf den Handlauf der marmornen Wendeltreppe und rutschte so, mit grimmig-entschlossener Miene, hinab in die Eingangshalle. Dort eilte er an den Statuetten seiner Ahnen vorbei. Vorbei an dem Triptychon, den sein Großvater eigenhändig aus dem Warschauer Dom hatte mitgehen lassen, damals, anno 39. Eine automatische Schiebetür glitt lautlos auf, als er sich ihr in rasendem Tempo näherte. Hinter ihr verbarg sich der begehbare Kleiderschrank des Lebemanns. Er schaute sich prüfend um. Soviel Zeit musste sein! Tja, für was sollte er sich jetzt entscheiden? Knifflig! Er hatte ganz schön viele Anziehsachen. Schließlich fiel seine Wahl auf die strassbesetzte Froschfotzenlederjacke. Die nächste Entscheidung war nicht weniger heikel.
Mit welchem Wagen sollte er fahren? Hier: der 53er Opel Kapitän, da: der Messerschmitt Kabinenroller KR 175, Baujahr 1953, dort: der Unimog 401, ebenfalls Baujahr 1953. Lehmkötter war immer der Meinung gewesen, dass nach 1953 keine vernünftigen Automobile mehr hergestellt worden waren. Der Ex-Korvettenkapitän entschied sich für den Opel. Er kurbelte das Seitenfenster hinunter. Das Geräusch von Weißbandreifen die durch frisch geharkten Kies pflügen war schier unübertrefflich. So rollte er also durch den Saum der alten Platanen die Auffahrt hinunter. Nach ein paar hundert Metern passierte er die Gesindehäuser. Lambert, der Gärtner grüßte fröhlich und warf seinem vorbeigleitenden Herren einen Apfel zu, den dieser lässig fing und dafür ein paar Münzen aus dem Wagenfenster rieseln ließ auf die sich die Kinder des Gärtners stürzten, wie Muslime auf den Kühlschrank bei Sonnenuntergang während des Ramadans. Als er schließlich unten am schmiedeeisernen Tor ankam, hatte es der gute Gustav bereits für ihn geöffnet und grüßte indem er die Mütze vom Kopf nahm und sich leicht verbeugte.
Er bog nach links auf die Landstraße ab, erreichte die Stadt nach einer guten halben Stunde und parkte wenig später vor der „Prekären Lage“, der Nobel-Disse schlechthin.
HÖREN SIE AUF ZU SABBERN. DER ACHTE TEIL WIRD NICHT LANG AUF SICH WARTEN LASSEN (glaubichjedenfalls)











